
Irgendwann zwischen dem 5. und 12. Lebensmonat zeigen sich die ersten Beisserchen, manchmal ziehen sie sich allerdings nach einem kurzen Aufblitzen noch einmal kurz ins Zahnfleisch zurück. Der Beginn des Zahnungsprozesses hängt höchstwahrscheinlich mit der Veranlagung zusammen und lässt sich weder verzögern noch forcieren – er muss einfach ertragen werden.
Manche Kinder überstehen das Zahnen innerhalb kürzester Zeit, andere leiden schubweise über eine lange Zeitspanne hinweg. Schmerzhaft ist die Angelegenheit in jedem Fall, wobei die Leidensfähigkeit schon bei den Kleinsten ganz unterschiedlich ausgeprägt ist. In jedem Fall wird das Immunsystem kräftig belastet, oft treten Fieber und erkältungsähnliche Symptome auf. Auch Babys können übrigens an Kopfschmerz leiden. Da die Nahrungsaufnahme in dieser harten Zeit für das Kind eine eher untergeordnete Rolle spielt, können auch Verdauungsstörungen oder schmerzhafte Blähungen auftreten – als ob Zahnweh nicht schon genug wäre!
Die meisten Kinder empfinden Kühlung als äusserst lindernd. Beissringe aus der Apotheke oder dem Drogeriehandel sind also eine sinnvolle Investition, sofern sie abkochbar sind. Weder Gelringe noch Plastikbeisslinge dürfen allerdings im Gefrierfach aufbewahrt werden – die zarte Babyhaut im und um den Mund friert sonst daran fest. Plastiklöffel oder Küchenutensilien sind ebenfalls geeignet, sofern sie nicht scharfkantig sind bzw. aus Metall, Glas oder Holz bestehen. Auch harte Brotrinden oder gekühlte Möhren sind beliebte Trostobjekte, hier ist aber unbedingt Aufsicht erforderlich, damit sich das Baby nicht an abgenagten Teilen verschluckt. Wer sich im Winter mit der Zahnerei herumärgern muss, packt den Nachwuchs (und sich selbst) kuschelig warm ein und spaziert 20 bis 30 Minuten durch die kalte Luft (notfalls auch nachts), Balkonsitzungen haben einen ähnlichen Effekt.
Das kindliche Zahnfleisch mit kühlem Kamillentee oder Nelkenöl massieren ist immer noch ein bewährtes Hausmittel. Inzwischen gibt es aber auch Gels, die ähnlich angewendet werden und die gereizte Region kurzzeitig sanft betäuben. Auch Globuli sind wirksame Helfer, vorausgesetzt sie werden nicht wieder aus dem Mund befördert. Fiebersäfte reduzieren ebenfalls das Schmerzgefühl, sind aber nicht für die dauerhafte Anwendung geeignet. Wenn es besonders hoch her geht – beim Durchbruch der würfelförmigen Backenzähne beispielsweise – kann der Kinderarzt auch Zäpfchen auf Belladonna-Basis verschreiben, die den Eltern und vor allem dem Kind zumindest einige Stunden erholsamen Schlaf bescheren.
Wir alle haben es geschafft, nicht zuletzt mit der Hilfe unserer Eltern. Damit ist bewiesen: es geht vorbei! Zahnende Kinder brauchen viel Nähe und Aufmerksamkeit, denn sie können nicht wissen, dass ihr unglücklicher Zustand nicht ewig anhalten wird. Manchmal hilft auch eine zarte Bauchmassage, stundenlanges Herumtragen, Füsschen-Streicheln oder Singen, den Schmerz besser zu ertragen. Natürlich kann kein Elternteil ununterbrochen Beistand leisten, ein «Schichtplan» mit wechselndem Nachtdienst und gegenseitiger Trost machen es aber auch für die Grossen etwas leichter. Es ist zweifelsohne schwer, sein Kind leiden zu sehen. Doch das Gefühl von Nähe und Verständnis sind für den kleinen Patienten ebenso wie für die geplagten Eltern ein wichtiges Hilfsmittel in dieser unerfreulichen Phase.
Text: Claudia Eichhorn