

Nachdem in Deutschland die berufliche Auszeit zugunsten der Familie per Gesetz (Elternzeit) auch Vätern zugänglich wurde, zog die österreichische Regierung per Novelle 1994 zögerlich nach. Heute ist es in allen Mitgliedstaaten der Europäischen Union möglich, die Vorteile der «Väterkarenz» zu geniessen. Dazu gehören unter anderem der Kündigungsschutz, die Anpassung der Arbeitsbedingungen an die Familiensituation und vor allem auch die finanzielle Sicherung der Lebensgrundlagen seitens des Staates.
Dass die «Herren der Schöpfung» genauso wichtig in der Erziehung der Kinder sind wie die Mütter, heben viele Regierungen in Europa besonders hervor. Immerhin erschliesst sich durch Inanspruchnahme der Väterkarenz für Väter ein ganz neues Erlebnisspektrum, wenn sie sich bewusst der Erziehung und dem Familienmanagement öffnen. Dabei schliessen sich Karenz und Karriere nicht aus, denn die Vorteile einer begrenzten, beruflichen Auszeit in der Familie liegen auf der Hand.
Zu diesen Vorzügen gehören nicht nur die Karrierechancen von Müttern, die nur den Mutterschutz in Anspruch nehmen. So bauen Väter, die in Väterkarenz gehen, eine viel engere Beziehung zu ihrem Nachwuchs auf. Aktive Väter werden so zu idealen Vorbildern, weil vor allem Söhne ihre Väter in den Bereichen des Lebens kennenlernen, die in der Regel von Müttern dominiert werden, beispielsweise beim Einkaufen. Zusätzlich erhalten Kinder viel leichter einen Einblick in «Männerdomänen» – welche Mutter hält sich schon gerne mit ihrem Sprössling in der Werkzeugabteilung des Baumarktes auf und erklärt ihm, wie ein Rasenmäher funktioniert?
Neben den sozialen Vorzügen der Elternauszeit bietet sich Männern während der Väterkarenz auch manche Möglichkeit, an der eigenen beruflichen Karriere zu arbeiten. So nutzen viele die Zeit, um sich nebenbei fortzubilden oder sich auch beruflich neu zu orientieren. Zusätzlich gilt diese kreative Arbeitspause unter Insidern mittlerweile schon als wichtiger Beitrag zur Prävention des gefürchteten «Burn-Out-Syndroms».
Die Väterkarenz wird europaweit immer beliebter. Das liegt letztlich auch daran, dass eine längere Pause nicht das berufliche Aus bedeutet. Dabei ist allerdings zu beobachten, dass es ein Nord-Süd-Gefälle in Sachen Akzeptanz und Inanspruchnahme der Väterkarenz gibt. Das heisst, dass es nordeuropäischen Vätern, beispielsweise in Dänemark oder Schweden, einfacher fällt, die Väterkarenz zu beantragen als ihren südeuropäischen Kollegen. Deshalb setzen viele Staaten darauf, Familien mit Vollzeitvätern finanziell aufzufangen.
Zusätzlich zu finanziellen staatlichen Hilfen bieten viele Arbeitgeber immer öfter Arbeitsmodelle an, die sowohl Vätern als auch Müttern die Möglichkeit geben, Familie und Beruf einfacher unter einen Hut zu bekommen. Das Schlagwort lautet hier «Elternteilzeit». Hier werden die Arbeitsbedingungen, vorwiegend die Arbeitszeit, den individuellen Bedürfnissen des Arbeitnehmers angepasst, um aktiv am Familienleben teilnehmen zu können.
Ob und wie die Väterkarenz letztlich in Anspruch genommen wird, hängt massgeblich von den individuellen Bedürfnissen und Voraussetzungen des oder der Einzelnen ab. Viele Faktoren, gerade in der Kindesentwicklung und im Familienleben, sprechen durchaus für den «Erziehungsurlaub» für Väter. Da die Möglichkeiten und Voraussetzungen in den einzelnen Staaten Europas aber durchaus verschieden sind, ist vor allem «Mann» gut beraten, wenn er sich an die Profis wendet. Neben den Familien- und Jugendämtern halten auch Kinderärzte, Krankenkassen und kirchliche Einrichtungen sinnvolle Entscheidungshilfen für den unsicheren Vater bereit.
Text: Daniel D. Eppe