
Der erste Schrei nach Babys Geburt ist lebenswichtig. Die Lungen werden zum ersten Mal auf ihre Funktion getestet. Nach diesem ersten Schrei nutzen Neugeborene in den ersten 12 bis 16 Wochen ihr Stimme besonders intensiv. Zu Recht: Sie müssen sich an das Leben ausserhalb des Mutterleibes gewöhnen und lernen, ihrer Umwelt die eigenen Bedürfnisse mitzuteilen. Ob Hunger, Durst, Einsamkeit, Schmerzen oder «nur» die volle Windel – Eltern lernen schnell und intuitiv, die feinen Nuancen des Babyschreiens zu unterscheiden und kommunizieren auf diese Weise schon mit dem Nachwuchs.
Eltern sollten keine Angst haben, auf das Schreien ihrer Kleinen einzugehen. Es wird zwar häufig davon abgeraten, auf jede kleine Lautäusserung zu reagieren, dennoch sollte man wissen, dass man den Nachwuchs in den ersten Lebenswochen getrost verwöhnen darf. Immerhin lernen Eltern gerade in dieser Zeit beispielsweise, zwischen einem Hungerschreien oder einem einfachen «gelangweiltem Nörgeln» zu unterscheiden. Je vertrauter man dann mit der Sprache seines Kindes ist, desto schneller wird sich das lautstarke Problem lösen.
«Learning by doing» – diese Devise aus dem handwerklichen Bereich lässt sich auch beim Umgang mit dem kindlichen Schreien anwenden. Schreit ein Kind aus Hunger, wird es direkt verstummen, wenn es gesättigt wird. Schreit es etwa nach einer sauberen Windel, wird es direkt zufrieden lächeln, wenn das ungute Gefühl am Po verschwindet. Viele Neugeborene schreien auch einfach aus Unsicherheit. Fremde Personen, zu grelles Licht oder unangenehme Temperaturen animieren das Baby, seinen Unmut lautstark zu äussern. Hier hilft vor allem Körperkontakt, also die Nähe zu den Eltern. Schon durch das einfache Herumtragen und die Stimme der Eltern lässt sich für das Kind eine vertraute Situation herstellen, die es beruhigt.
Eltern sollten kein schlechtes Gewissen bekommen, wenn sie ihr Kind nicht direkt beruhigen können. Experten vermuten, dass manche Neugeborene nur sehr langsam einen Tagesrhythmus finden und deshalb viel schreien. Deshalb wird vor allem Ruhe und Besonnenheit bei «Schreihälsen» angeraten. Sollte man sich dennoch nicht sicher sein, was das eigene Kind gerade ausdrücken will, sollte man sich nicht scheuen, entweder erfahrene Mütter oder Profis wie Kinderärzte oder Hebammen aufzusuchen.
Text: Daniel D. Eppe