
In diesem Alter beginnt Ihr Kind zu erkennen, wenn etwas falsch ist, also nicht mit dem übereinstimmt, was es gelernt hat. Es kann sich kaputtlachen, wenn Sie Dinge falsch betiteln, beispielsweise im Bilderbuch den Elefanten Affe nennen oder die Schwester mit dem Namen des Bruders ansprechen. Es merkt auch, wenn Dinge anders sind, als sie sein sollten, wenn also dem Stofftier ein Auge fehlt, beim Buch der Buchdeckel fehlt oder der Wohnzimmerteppich plötzlich einen Fleck hat. Ein grosser Schritt für den kleinen Kinderverstand!
Das Sprachvermögen ist enorm angewachsen. In diesem Alter beherrschen die meisten Kinder ungefähr 50 Wörter und fangen an, sie aneinanderzureihen. Zweiwortsätze und zusammengesetzte Phrasen entstehen. Das Wörterlernen geht jetzt wesentlich schneller, bis zu zehn Wörter täglich können während der nächsten Wochen hinzukommen. Ihr Kind lernt mit Begeisterung, wenn es merkt, dass es Erfolg hat und Sie auf seine Äusserungen reagieren. Das Verstehen von dem, was Sie sagen, ist mittlerweile so gut, dass Ihr Kind Anweisungen ausführen kann, die aus mehreren Teilen bestehen, zum Beispiel «Hole die Autos vom Tisch und lege sie in die Spielzeugkiste.»
Was Ihr Kind im richtigen Leben sieht, das beginnt es jetzt auf seine kleine Welt zu übertragen und es «spielt»: Die Puppen werden gefüttert, die Autos halten an, werden beladen und fahren weiter.
Die Feinmotorik erlaubt es Ihrem Kind jetzt, mit Löffel und Gabel gekonnt umzugehen. Die ersten Turmbauten aus Bauklötzen werden versucht und so manchem Kind gelingt schon ein mehrstöckiges Kunstwerk. Spielsachen, die kleine Teile zum Bewegen, auf- und zumachen oder an- und ausschalten haben, beschäftigen die kleinen Fingerchen.
Vielleicht bekommt Ihr Kind ja in der nächsten Zeit ein kleines Geschwisterchen. Lassen Sie es ganz natürlich teilhaben an den Veränderungen und Vorbereitungen. Den wachsenden Bauch wird es irgendwann entdecken und Sie können ihm dann in wenigen Worten erklären, dass da ein neues Baby heranwächst. Lassen Sie Ihr Kind die Bewegungen im Bauch spüren und nehmen Sie es vielleicht mit zu den Vorsorgeuntersuchungen, wo es den Herzschlag hören kann. Überfrachten Sie es aber nicht mit Einzelheiten, was da kommt, denn es kann sich die Zukunft ja noch nicht vorstellen. Was es an Veränderung bedeutet, kann es erst begreifen, wenn das Baby dann da ist. Nach der Geburt beziehen Sie Ihr Grosses in die Sorge und das Kümmern um den Neuankömmling mit ein und vergessen Sie nicht, dass es auch dann weiterhin Zeit mit Ihnen alleine braucht zum Kuscheln und Spielen.
Das liebste Spielzeug ist jetzt das, was nicht nach Spielzeug aussieht, sondern mit dem man «richtiges Leben» spielen kann. Warum teures Kinderspielzeug kaufen, wenn die Kleinen begeistert sind, wenn sie mit den Plastikschüsseln und Rührlöffeln aus der Küche ihre Puppen bekochen können? Und hinterher geht alles einfach in der Spülmaschine!
Text: Petra Kaiser