
Die Muskulatur Ihres Kindes entwickelt sich gewaltig und wenn es auf dem Bauch liegt, wird es nun mit aller Kraft den Rücken krümmen, während es Arme und Beine ausstreckt und Kopf und Schulter angehoben sind. Wenn Sie Ihr Baby dabei halten oder es mit Kissen stützen, kann es sogar eine Weile sitzen – aber bleiben Sie dabei immer in seiner Nähe, es könnte plötzlich umkippen! Wenn Sie es aufrecht halten und mit den Füssen auf Ihren Oberschenkeln balancieren lassen, wird es jetzt auf- und abhüpfen und so seine Beine trainieren.
Von den eigenen Sprachkünsten ist das Baby jetzt fasziniert, es kann die gleichen Blubbertöne immer und immer wieder produzieren. Die Eltern finden die ständigen Wiederholungen oft äusserst lästig, aber für das Kind ist es wichtig, seine kleinen Künste nach und nach durch Wiederholungen zu perfektionieren.
Das Entdecken von Ursache und Wirkung führt nun dazu, dass das Kind ein recht ermüdendes und für die Eltern langweiliges Spiel spielt, das es selbst aber endlos geniesst: Sachen fallen lassen, damit die Eltern sie wieder aufheben! Machen Sie gute Miene zum lästigen Spiel und bücken Sie sich immer und immer wieder – es hilft Ihrem Kind in der Entwicklung. Das nächste Spiel gehört dann auch in die Kategorie «immer wieder gerne gespielt»: Verstecken und wieder zeigen. Das Kind lernt nämlich, dass teilweise verdeckte Gegenstände doch noch da sind und amüsiert sich jedes Mal königlich, wenn sie nach dem «Wo ist das Buch?» mit einem «Da!!!» plötzlich wieder auftauchen.
Das Gehör bekommt allmählich seinen Feinschliff. Das Baby kann nun erkennen, woher Geräusche kommen und dreht den Kopf entsprechend. Es beobachtet auch ganz genau Ihren Mund, wenn Sie betont mit ihm reden und beispielsweise die Konsonanten «b» oder «m» artikulieren. Tatsächlich können Babys mit fünf Monaten bereits ihren Namen verstehen und reagieren entsprechend, wenn während eines Gespräches ihr Name fällt.
Allmählich entwickelt das Kind eine grosse Anhänglichkeit zu seinen Bezugspersonen, wird die Hände nach Ihnen ausstrecken, um auf den Arm genommen zu werden und wird Ihnen nachweinen, wenn Sie den Raum verlassen. Natürlich schmeichelt das Ihrer Seele, aber Ihr Kind muss auch lernen, dass Sie nach kurzen Zeiten der Trennung verlässlich wieder zurückkommen.
Wenn das Kind mehr und mehr seine Umwelt wahrnimmt, lauscht und aufpasst, stellt das für das sowieso schon strapazierte Sexualleben der Eltern eine besondere Herausforderung dar. Stellen Sie sich dieser Herausforderung, auch wenn Schäferstündchen regelmässig von einem Kinderweinen unterbrochen werden. Not macht erfinderisch und Gelegenheiten muss man nutzen – Vertraulichkeiten müssen eben nicht nur nachts im Ehebett stattfinden, sondern dann, wenn es sich gerade ergibt. Kuscheln Sie auf dem Sofa oder geniessen Sie am Nachmittag ein gemeinsames Bad. Und stellen Sie sich auf Störungen von vornherein ein, dann tragen Sie sie mit Humor!
Wenn ihr Kind jetzt beginnt zu fremdeln, heisst das nicht, dass Sie Ihre Sozialkontakte einschränken sollen, ganz im Gegenteil! Nehmen Sie mit Ihrem Kind weiterhin Besuche wahr, geben ihm das Gefühl, da zu sein, sodass es sich sicher fühlt, während es sich aber mit der Gegenwart anderer konfrontieren lassen muss.
Das weinende Kind beruhigen, geht jetzt sehr gut über Ablenkung: Mit einem Spielzeug etwas Verrücktes tun oder einen Gegenstand auf dem Kopf jonglieren – und schon ist der Grund für das Weinen vergessen!
Text: Petra Kaiser