
Die Welt ist herrlich und so interessant! Das wird Ihr Baby jetzt entdecken, da es vermutlich schon alleine sitzen kann und somit einen guten Überblick darüber hat, was da so rundherum geschieht. Viele Babys beginnen jetzt, ihre erste Fortbewegungstaktik zu entwickeln, um herausfordernde Ziele zu erreichen. Manche sind wahre Meister darin, auf dem Po über den Boden zu rutschen, indem sie sich mit einer Hand und einem Fuss vorwärtsschieben. Das Krabbeln ist ein wichtiger Schritt in der Entwicklung und es wird sehr schnell dazu führen, dass sich Ihr Kind am erreichten Sofa oder am Schrank hochziehen möchte, um sich aufzustellen. Damit beginnt aber auch die anstrengende Zeit des Hinfallens und Sich-Stossens. Es gehört zum Lernprozess dazu und oft wird Ihnen sicher der Atem stocken, wenn Ihr Kind an seine Grenzen stösst. Widerstehen Sie Ihren Beschützerinstinkten und sorgen Sie stattdessen dafür, dass Ihre Wohnung kindersicher ist, dass keine gefährlichen Gegenstände oder wacklige Möbel herumstehen, dass die Steckdosen geschützt sind und keine kleinen Teile erreichbar sind, die das Baby in den Mund stecken könnte.
Ihr Baby kann seine Hände schon sehr gezielt einsetzen und nach Dingen greifen. Es weiss, dass es die Faust öffnen muss, um etwas wieder loszulassen. Jetzt kommt der Zangengriff dazu, mit dem das Kind mit Daumen und Zeige- und Mittelfinger kleinere Gegenstände ergreifen lernt. Alles wird genau untersucht, geschüttelt, gedrückt und damit herumgeschlagen. Spielsachen, die irgendeine Funktion haben und bedient werden können, sind jetzt genau richtig. Und Sie werden staunen, wie ihr Kind jetzt schon die Bedeutung mancher Gegenstände versteht und sich mit der Bürste über den Kopf fährt oder munter ins Spieltelefon hineinplappert.
Die Sehschärfe des Kindes ist nun schon fast so gut wie die eines Erwachsenen. Dinge in der Nähe kann es sehr gut sehen, auch die Tiefenwahrnehmung ist nun schon fast ganz entwickelt. Lediglich mit dem scharfen Sehen in grösserer Entfernung hapert es noch ein wenig.
Auch auf emotionaler Ebene gibt es Entwicklungen. Erste Anzeichen von Mitgefühl zeigen sich, Ihr Baby wird beginnen, mitzuweinen, wenn es jemanden weinen sieht und mitlachen, wenn sich jemand freut. Luftküsschen verteilen ist eines von Babys Lieblingsspielen und je mehr Applaus es für die kleinen Liebesbeweise bekommt, umso eifriger spendiert es eine Zugabe!
Jetzt, wo nichts mehr vor dem Kind sicher ist, kommt Ihr Leben wieder in eine sehr anstrengende Phase. Ständig sind Sie auf dem Sprung, ständige Konzentration und Aufmerksamkeit sind gefragt. Gönnen Sie sich kurze Verschnaufpausen, indem Sie Ihren Liebling mit interessanten Spielsachen, die Sie für diese Zeiten aufsparen, ins Gitterbettchen oder einen Laufstall setzen. Und machen Sie es so wie damals in den ersten Wochen nach der Geburt: Schlafen Sie, wenn Ihr Baby schläft. Sie brauchen Ihre Kraft. Gerade jetzt ist es wichtig, dass Sie sich beim Kinderhüten auch mal ablösen lassen. Nicht erst, wenn Sie nicht mehr können, sondern regelmässig vorher!
Es gibt verschiedenste Spielsachen, die mit Saugnäpfen versehen sind. Mit denen kann Ihr Kind in seinem Hochstuhl sitzend spielen, ohne dass Sie alle 30 Sekunden wieder alles aufheben müssen. Machen Sie mal auf allen Vieren eine Runde durch Ihr Zuhause. Aus der Perspektive Ihres Babys lassen sich so manch unterschätzte Gefahrenquellen erkennen.
Text: Petra Kaiser