
Schon seit Jahrhunderten wird Fasnacht gefeiert. Bereits im Mittelalter gab es eine traditionelle «Fasnacht» – nämlich jene zu Beginn der österlichen Fastenperiode. Vor den nun folgenden kargen 40 Tagen gewährte die Kirche den Menschen zunächst, sich noch einmal nach Herzenslust auszutoben. Immer häufiger nutzte die Bevölkerung das wilde Treiben, um die Obrigkeit gehörig zu verspotten und manchem Unmut Luft zu machen. Bald schon wurde es üblich, sich zum Schutz vor kirchlicher Strafe zu verkleiden. Die Reformation im 16. Jahrhundert bereitete den übermütigen Festen schliesslich ein Ende – zumindest vorübergehend. Mit dem 18. Jahrhundert jedoch wurden die Verbote nach und nach aufgebrochen, und innerhalb der nächsten Jahre entwickelten sich immer mehr regional verschiedene Fasnachten – bis heute.
Überall werden zur närrischen Zeit die Grossen und Mächtigen in Staat und Politik zur Zielscheibe scharfen Spottes und harscher Kritik. Ausgelassene Bälle und Feste, bunte Umzüge, lärmende Musikertruppen und phantasievolle Kostüme prägen allerorten das Bild. Aber es gibt auch Unterschiede. Nicht überall beginnt die Fastnacht zur gleichen Zeit, viele verschiedene Namen existieren für die vorübergehende Regentschaft, und nicht an jedem Platz wird in gleicher Weise gefeiert.
Das normale Leben mal gehörig auf den Kopf stellen – darum ging es schon im Mittelalter. Seit einst jemand behauptete, Solothurn läge auf dem Globus genau gegenüber von Honolulu, verwandelt sich der Ort zur Narrenzeit regelmässig in eine hawaiianische Stadt. Ein Umzug mit Fackelträgern eröffnet das Fest, und die Strassen bevölkern sich mit sonderbaren Leuten in weissen Nachthemden und Zipfelmützen. Ohrenbetäubender Lärm – hervorgerufen durch allerlei Schlag-, Rassel-, Quietsch- und Pfeifinstrumente macht klar: Die Narren sind los!
Im Jahr 1982 fing sie an, die Sache mit dem Bären. Die sogenannte «Bärner Fasnacht» startet gegen Abend am Käfigturm. Der Fasnachtsbär – den es übrigens schon im Mittelalter gab – wird am Donnerstag nach Aschermittwoch mit viel Trara und einem Trommelkonzert befreit und feiert bis zum Sonntag kräftig mit.
Ganz nach oberitalienischem Vorbild wird im Tessin gefeiert – mit einer bunten Wagenparade und viel Konfetti. Früher war es auf den Dörfern üblich, ein grosses Risottoessen für die Armen zu veranstalten. Mittlerweile geht es nicht mehr so sehr um Wohltätigkeit, aber der Brauch, im Freien grosse Pfannen aufzustellen und die Speisen an die Feiernden zu verteilen, hat sich bis heute gehalten.
Wilde Majestäten herrschen während der Fasnacht. Marschgraden tanzen durch die Strassen, Böggen werden verbrannt – die ganze Fasnacht ist ein einziges Fest voller Lebensfreude. Flöten und Trommeln jagen die kalte Jahreszeit davon, kostümierte und maskierte Menschen feiern ausgelassen von früh bis spät und ergreifen zeitweise Besitz von mancher Amtsstube. Freilichtspektakel, Klamauk und Kultur treffen aufeinander und machen die rauschende Zeit noch bunter, und dann ist sie von einem Tag auf den anderen wieder vorbei – bis zum nächsten Jahr.
Text: Claudia Eichhorn