
Oftmals wird Ostern als das älteste christliche Fest bezeichnet – erinnert es doch an die Auferstehung Jesu und daran, dass der Tod nicht das Ende, sondern Neubeginn bedeutet. Daneben finden sich jedoch auch vorchristliche Ansätze. Schon in der Antike wurden Frühlings- und Fruchtbarkeitsfeste gefeiert, bei denen es eben auch um das Neuerwachen des Lebens und der Natur ging. Das jüdische Passahfest anlässlich der Kreuzigung Jesu stellt eine weitere Quelle der österlichen Tradition dar. Insgesamt kann das heute gefeierte Ostern wohl als Mischung aus vielen altenhergebrachten Festen betrachtet werden. Das Wort «Ostern» leitet sich angeblich von «osteram» für Morgenröte ab. Welche Metapher könnte auch besser passen zum Anbruch eines neuen Lebens?
Natürlich – Ostern bedeutet bunt verzierte Eier, Schokoladenhasen, Birkensträusse… aber dennoch gibt es regionale Unterschiede. Im Westen der Schweiz sieht man die Klageweiber mit den Marterwerkzeugen Jesu am Karfreitag durch die Strassen ziehen; im Wallis ist es zumindest im Ländlichen Brauch, Wein, Käse und Brot zu verteilen. Vielerorten sieht man am Ostermontag noch vor Sonnenaufgang kleine Truppen auf Hügeln die Sonne begrüssen. Auch das «Eiertütschen» am Sonntagmorgen ist eine vielgepflegte Angelegenheit. Die Eier werden gegeneinander geschlagen, das unbeschädigte gewinnt, die anderen werden verspeist. Osterfeuer erhellen die Abende und bringen die Menschen zu einander.
Die grosse sonntägliche Eiersuche ist wohl für die Kinder überall das grösste Vergnügen. Schon die alten Germanen sahen im Hasen ein Symbol des Frühlings und der Fruchtbarkeit, und daher bringt er bis heute die bunten und süssen Leckereien. Die ebenfalls symbolträchtigen und daher prächtig verzierten Eier schmücken Sträucher und Sträusse rund ums Haus. Besonders berühmt für ihre eierigen Kunstwerke sind die Sorben, die mit ruhiger Hand und geübtem Auge filigranste Muster in die Kalkschale ritzen, per Wachströpfchen auftragen oder mit schmalen Pinseln malen. Das Besprengen mit Wasser und leichte Schlagen mit Birkenruten wird ebenfalls in vielen Ländern praktiziert und soll Wohlergehen und Schönheit bewahren und fördern. Eine Schwedin, die in der Nacht zum Ostersonntag schweigend Wasser aus einer Quelle holt und ihren Liebsten morgens damit besprengt, kann sich angeblich seiner ewigen Zuneigung gewiss sein.
Viele Familien folgen noch heute der Tradition, am Karfreitag Fisch zu essen. Kuchen in Hasen- und Lämmerform finden sich auf Kaffeetischen, süsse Osterbrote oder -kränze aus Hefeteig werden gern verschenkt. Würzige Osterschinken machen aus der Frühstücks- und Abendtafel etwas Besonderes, und es ist kein Zufall, dass schon am Ostermontag und den folgenden Tagen gern und häufig Eiersalat gereicht wird. Wenn das Wetter es zulässt, wird der Osterspaziergang oft mit einem Picknick kombiniert, bei dem diese Klassiker natürlich nicht fehlen dürfen.
Text: Claudia Eichhorn