
Egal, ob eine alleinerziehende Mutter mit ihrem kinderlosen Partner die Familie vergrössert oder ein Vater mit Kindern eine neue Beziehung eingeht, die individuellen Ausgangssituationen sind sehr unterschiedlich und dadurch einzigartig. Auch wenn ein neues Familienmitglied eine Bereicherung sein kann, tauchen zu Beginn meist Startschwierigkeiten auf: Gerade für Kinder bedeutet ein neuer Mensch im tagtäglichen Zusammenleben eine gravierende Umstellung. Fühlen sie sich nämlich ausgeschlossen, reagieren die Kleinen häufig mit Ängsten und ihr Vertrauen ist erschüttert.
Bringen beide Partner Kinder in die neue Beziehung mit, ist jeder dieser Partner zu gleich Vater oder Mutter eines leiblichen und Stiefvater bzw. Stiefmutter des Kindes des Partners. Noch komplizierter wird die Situation aber, wenn sich Paare nach einer zweiten oder dritten Trennung neu zusammenfinden. Bekommt das Paar dann auch noch gemeinsame Kinder, bedeutet das ein Neuverteilen der Rollen, und es müssen neue Verantwortlichkeiten übernommen werden.
Da das Konfliktpotential der Patchworkfamilie ungleich grösser als das einer «Normalfamilie» ist, besteht die Gefahr, dass die Partner von zu vielen Problemen sprichwörtlich überrollt werden und die Beziehung dadurch gefährdet wird. Aus diesem Grund verdienen «Stieffamilien» das besondere Interesse psychologischer Beratungsstellen. Es gilt zu erörtern, was das Paar verbindet und Lösungen für Detailprobleme zu erarbeiten, die zur Entspannung der Gesamtsituation beitragen. Sorgen Sie sowohl im Eltern- als auch Kinderbereich für klar definierte Wohnbereiche um einen Rückzug des einzelnen Individuums zu gewährleisten. Wenn Sie dann noch für gemeinsame Aktivitäten, wie beispielsweise Ausflüge sorgen, wird einem unbeschwerten Zusammenleben in der neuen Patchworkfamilie nichts mehr im Wege stehen.
Text: Helge Trach