
Als «Frühchen» werden Babys bezeichnet, die vor Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche geboren werden. Babys, die vor Vollendung der 32. Schwangerschaftswoche zur Welt kommen und weniger als 1500 Gramm wiegen, werden als «sehr kleine Frühgeborene» bezeichnet und Babys mit einem Körpergewicht unter 1000 Gramm als «extrem kleine Frühgeborene». Erfreulicherweise ist die Medizin so weit fortgeschritten, dass neun von zehn Frühchen später ein gesundes und völlig normales Leben führen können. Doch dass das Frühchen zu einem gesunden Kind heranwächst, passiert nicht automatisch sondern stellt für die Eltern eine grosse Herausforderung dar.
Frühchen haben einen höheren Bedarf an Flüssigkeits- und Kalorienzufuhr als normale Babys. Sie haben schliesslich eine Menge aufzuholen. Für die Bewältigung von Krankheiten, für das Wachstum und ihre Entwicklung benötigen sie qualitativ hochwertige Nahrung. Zur Auswahl der Ernährung stehen: die Muttermilch, Milchpulver oder beides. Die Muttermilch ist dabei mit Abstand die beste Nahrung fürs Baby. Sie enthält die richtigen Nährstoffe im richtigen Verhältnis für die jeweiligen Bedürfnisse des Babys. Die Verdauung wird angeregt, da sie besonders viel Fett und Kalzium enthält. Studien zeigen, dass Frühgeborene, die gestillt werden, im ersten Jahr schneller wachsen als Babys die nicht gestillt werden. Doch je nach Alter und gesundheitlichem Zustand müssen Frühchen auf einer Intensivstation betreut werden, sodass es der Mutter nicht immer möglich ist, das Kind selbst zu stillen. Oder das Baby ist zum Schlucken oder zum Saugen zu schwach. In dem Fall wird empfohlen, die Muttermilch abzupumpen und das Frühchen kann dann über eine Magensonde oder mit einem Finger Feeder gefüttert werden.
Ein frühgeborenes Baby hat mit Sicherheit besondere Bedürfnisse. Unabhängig von der medizinischen Versorgung, braucht das Frühchen die volle Aufmerksamkeit der Eltern. Je nach Gesundheitszustand sollte auf die körperliche Nähe zum Baby auf keinen Fall verzichtet werden! Forschungen ergaben, dass Babys, die anfangs regelmässig Körperkontakt zu den Eltern hatten, sich vergleichsweise viel besser entwickelten als Babys, denen der Körperkontakt fehlte.
In die Freude über die Geburt mischen sich meist Zukunftsängste und die Sorge, richtig für das kranke oder frühgeborene Baby sorgen zu können. Oftmals wird es auch verabsäumt, als Paar miteinander über Gefühle zu sprechen, weil man Angst hat, den Partner zu verletzen. Doch gerade das ist in so einer Situation besonders wichtig. Eltern sollten darauf achten, sich miteinander Auszeiten zu schaffen, und wenn es nur ein gemeinsamer Spaziergang in der Natur ist. Sollten die Probleme unüberwindbar scheinen, sollte auf professionelle Hilfe nicht verzichtet werden.
Eine Frühgeburt ist für die Eltern ein Ereignis, das statt Elternfreuden erstmal Ängste und Zweifel erzeugt. Doch wenn man als Familie bemüht ist, dem Frühchen besonders viel Liebe und Zuwendung zu geben, wird sich daraus mit grosser Wahrscheinlichkeit ein gesundes Kind entwickeln, das den Eltern viel Freude bereiten wird.
Text: Tina Voss