Stillen ist mehr als Ernährung
Die erste Lebensstunde eines Neugeborenen ist von grosser Bedeutung für den weiteren Stillverlauf. Der Such- und Saugreflex des Neugeborenen ist zu diesem Zeitpunkt besonders stark ausgeprägt. Darf das Kind ungestört bei der Mutter auf dem Bauch bleiben, bis es die Brust sucht und zum ersten Mal saugen kann, ist das der beste Start in die Stillbeziehung. Dieser prägende Moment, Bonding genannt, setzt wichtige Impulse für die Mutter-Kind-Bindung.
Nach der Geburt hält die Brust die perfekte Mahlzeit für das Baby bereit. Die so genannte Vormilch, oder auch Kolostrum genannt, welche das Neugeborene sättigt, ohne seinen Magen zu überfordern. Mit dieser Milch werden wie bei einer «Impfung» Immun- und Abwehrstoffe auf das Kind übertragen und verleihen ihm einen natürlichen Schutz. Die Zusammensetzung der Milch ändert sich immer wieder in den ersten Tagen und Wochen nach der Geburt. Somit ist der Nährstoffbedarf für das Babys optimal angepasst.
Doch Stillen ist mehr als Ernährung. Es vermittelt dem Kind Wärme, Geborgenheit, Wohlbehagen, Schutz und Sicherheit.
Der Stillrhythmus verändert sich der Entwicklung des Babys entsprechend immer wieder. Am Besten gedeiht ein gesundes, am Termin geborenes Kind, wenn es nach Bedarf angelegt wird und so lange an der Brust trinken darf, wie es möchte. Es ist normal, dass es in den ersten Lebenswochen auch nachts trinken möchte. Das Baby bekommt genug Milch, wenn es pro Tag 6 nasse Windeln und regelmässig Stuhlgang hat und stetig an Gewicht zunimmt.
Durch sein Saugen reguliert das Baby die Ausschüttung der Hormone und damit die Milchbildung. Je häufiger und intensiver ein Baby saugt, desto mehr Milch fliesst und umgekehrt! Drei Faktoren beeinflussen die Milchproduktion: da ist einerseits der Körper der Frau, der mit seinen Hormonen die Produktion in Gang bringt. Weiter ist da das Kind, das mit seinem Saugen, dem Lippen-Haut-Kontakt an der Brustwarze wertvolle Signale an den Körper der Mutter gibt. Und als Drittes bestimmt die entnommene Menge Milch aus der Brust mit, wie viel Milch weiter gebildet wird.
Schwierigkeiten können der Grund sein, dass Frauen frustriert aufhören zu stillen. Mit entsprechenden Massnahmen können Stillprobleme jedoch überwunden werden und Frauen wieder Vertrauen in ihre Stillfähigkeit gewinnen! Es lohnt sich, Unterstützung und Hilfe bei einer Stillberaterin zu holen.