ADHS: Ritalin – Fluch oder Segen?

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ADHS: Ritalin – Fluch oder Segen?

Hyperaktive Kinder können ihre Umwelt in den Wahnsinn treiben und Familien oder Lehrer auf nervliche Zerreissproben stellen. Das Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Syndrom, kurz ADHS, ist oft die Ursache des unruhigen Nachwuchses. Bei der Suche nach einer Lösung stossen verzweifelte Eltern unweigerlich auf das Medikament Ritalin. Doch macht ADHS den Einsatz von Ritalin unbedingt erforderlich?

ADHS – Krankheit oder Zeiterscheinung?

Bereits im 19. Jahrhundert beschreibt das bekannte Buch «Der Struwwelpeter» das Phänomen des «Zappelphilipp» – ein Kind, das nicht recht still sitzen mag. Heutzutage scheinen sich diese Fälle von zappeligen Kindern, die Mühe haben sich zu konzentrieren, den Unterricht stören und unruhig sind, zu häufen. Wenn man bedenkt welcher Reizüberflutung die Menschen täglich ausgesetzt sind und wie hektisch und stressig das Leben verläuft, stellt sich wie von selbst die Frage ob diese Symptome nicht eine logische Reaktion darauf sind. Bisher konnte ADHS jedenfalls nicht als eine biologische Krankheit bewiesen werden.

Was ist Ritalin und wie wirkt es?

ADHS könnte man ganz grob als eine «Verarbeitungsstörung» des Gehirns umschreiben. Das Kind nimmt eine Fülle von Eindrücken wahr, kann aber nicht unterscheiden, welche Information wichtig oder welche unwichtig ist. Diese Störung kann durch Stimulanzien z.B. Ritalin behoben werden. Ritalin galt lange sogar als «Wunderwaffe» gegen ADHS. Es ist ein sogenanntes zentralnervöses Stimulans, welches das Zentralnervensystem aktiviert bzw. stimuliert, wodurch sich die «Filter-Funktionen» im Gehirn wieder stabilisieren. Allerdings gibt es für die genaue Wirkung von Ritalin keine stichhaltigen Erklärungen, sondern nur Hypothesen. Sicher ist, dass es sich auf den Hirnstoffwechsel auswirkt und Kinder dadurch ruhiger macht. Doch gerade durch diese Hypothesen und die Tatsache, dass Ritalin schwere Nebenwirkungen hervorrufen kann, sind Eltern zu Recht verunsichert, sobald eine Medikation empfohlen wird.

Gibt es andere Wege ausser Ritalin?

Ja, die gibt es – sie dauern nur länger und erfordern viel Geduld und Einsatz. Der Griff zur Pille ist wesentlich einfacher, als sich mit der eigentlichen Ursache, der Reizüberflutung des Kindes zu beschäftigen. Zugegeben, in besonders schweren Fällen von ADHS ist die Gabe von Ritalin durchaus richtig, um dem kindlichen Körper und dem Gehirn einfach eine Pause zu gönnen. Bewiesen ist jedoch, dass viele der ADHS-Symptome mit einfachen Tricks in Schach gehalten werden können. Auch die Homöopathie ist erfolgreich, da sie sich mit der individuellen Symptomatik und dem Umfeld des einzelnen Kindes beschäftigt.

Therapiemöglichkeiten

Die Psychotherapie kann eine Hirnfunktionsstörung nicht direkt beeinflussen. Jedoch bei einem entsprechenden Coaching und mit gezielten Trainings lernen sowohl die Eltern als auch die betroffenen Kinder, mit den Verhaltensweisen umzugehen und entsprechend zu reagieren. Kurze sportliche Übungen oder ein aktives Spiel lenken ab und lassen anschliessend eine Konzentration auf die Aufgabe zu. Deshalb sind Bewegungstherapien erfolgreich, weil abrupte Abwechslung die angestaute Energie verbraucht. Auch motorische Probleme oder Sprach-, Lese- und Schreibschwächen lassen sich mit entsprechenden Therapien, wie Psychomotorische Therapie, Physiotherapie, Logopädie oder Legasthenie-Therapie, stark verbessern. Für den Erfolg ist ein ständiges Wiederholen und üben notwendig. Am wichtigsten ist es jedoch nicht zu vergessen, auch ADHS-Kinder brauchen Bestätigung, Zuwendung und Verständnis.

Auch die Ernährung hat Einfluss

Stark zuckerhaltige Lebensmittel oder Süssigkeiten sollten allgemein tabu sein. Der Stoffwechsel des Kindes weiss nicht wohin mit der Energie und setzt sie mit Unruhe und Nervosität frei. Das wiederum beeinträchtigt die Konzentrationsfähigkeit immens.

Fazit

Ritalin hat seine Vor-, aber auch seine Nachteile. Deshalb sind Eltern mehr als gut beraten, wenn sie sich mehrere Expertenmeinungen einholen, wenn zu dem starken Medikament geraten wird. In den meisten Fällen ist der Einsatz von Ritalin nicht zwingend erforderlich, sondern lässt sich mit Hilfe von geschulten Kinderpsychologen und Jugendtherapeuten vermeiden.