
Experten sprechen von einer «primären Enuresis» und einer «sekundären Enuresis». Bei Kindern, die noch nie trocken waren, spricht man von einer primären Enuresis. Von einer sekundären Enuresis spricht man, wenn das Kind wenigstens ein halbes Jahr lang trocken war und dann wieder einnässt. Die Unterscheidung beider Formen ist deshalb wichtig, weil unterschiedliche Ursachen dahinter stecken. Bei Kindern mit primärer Enuresis funktioniert das Zusammenspiel zwischen Blase, Gehirn und Bewusstsein nicht richtig. Bei der sekundären Enuresis stecken meist psychische Probleme im häuslichen Bereich wie Stress, Trennung oder Scheidung der Eltern oder Gewalt in der Familie dahinter. Einnässen ist jedoch keine Krankheit, sondern ein Symptom mit verschiedenen Ursachen. Bis zur Vollendung des fünften Lebensjahres spricht man nicht von Bettnässen, sondern von einer verzögerten Entwicklung beim Kind.
Wichtig ist, dass die Eltern das Kind bei ihrem Problem unterstützen und liebevoll beistehen. Drohungen, Beschimpfungen oder Strafen verschärfen das Problem des Bettnässens nur zusätzlich! Die Eltern könnten dem Kind erklären, dass es mit seinem Problem nicht alleine dasteht, sondern dass es noch viele andere Kinder gibt, die ebenfalls das Problem haben. Das Kind sollte auch nicht gezwungen werden, Windeln zu tragen. Spezielle Betteinlagen, die verhindern, dass Urin in die Matratze dringt, oder spezielle Unterhosen für Bettnässer sorgen hier gekonnt für Abhilfe. Für Kinder ab dem 7. Lebensjahr gibt es Klingelhosen oder Klingelmatten, die beim Einnässen ein Signal abgeben. Hierbei wird das Kind geweckt und lernt dabei wach zu werden, wenn die Blase voll ist. Die Erfolgsrate dabei liegt bei etwa 40%. Zudem wirken entspannende Tees wie Johanniskraut, Passionsblume oder Melisse angstlösend und beruhigend auf das Kind.
Über Bettnässen wird nicht sehr gerne gesprochen. Den betroffenen Familien ist es meistens unangenehm und sie stehen deswegen oftmals unter grossem Leidensdruck. Gemeinsam das Problem an der Wurzel zu fassen und nicht totzuschweigen kann bewirken, dass dem Kind und somit der ganzen Familie auf Dauer erfolgreich geholfen wird.
Text: Tina Voss
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