
Kindern werden in Werbespots, die speziell auf ihre Wahrnehmung ausgerichtet sind, unter anderem auch Produkte verkauft. Damit werden Kinder oftmals einem sozialen Leistungsdruck ausgesetzt. So wird in vielen Kindern der Wunsch geweckt, genauso auszusehen wie die Models der Werbespots, die gleichen Waren zu besitzen und mit den unrealistischen Hochglanzbildern der Werbung mitzuhalten. Auf diese Weise werden Kinder zu einem lebenslangen Konsumverhalten erzogen.
Dabei suggeriert die Werbung stets, mit den richtigen Produkten ist alles machbar: Erfolg, Beliebtheit, Freundschaften. Und tatsächlich ist es oft so, dass Kinder in der «Out»-Gruppe landen, wenn sie nicht die richtigen Accessoires besitzen. Die damit verbundene Unmöglichkeit, die heilen Bilder aus der Werbewelt in die Realität zu übertragen, führt bei Kindern zu erhöhtem Stress und kann letztlich auch zu Depressionen führen.
Die Models in den Werbespots sind jung, erfolgreich und vor allem körperlich makellos. Die Realität hingegen sieht anders aus: Kaum jemand schafft es im wahren Leben schon morgens gut gelaunt und perfekt gestylt aus dem Bett zu springen. Dennoch werden diese unrealistischen Bilder zum Massstab der Welt. Vollkommen normal aussehende Mädchen finden sich zu dick und werden auf Grund ihrer «Unförmigkeit» von Gleichaltrigen gemieden und gehänselt. Da ist es kaum verwunderlich, dass die Selbstwahrnehmung leidet und bereits im Kindesalter mit diversen Diäten begonnen wird.
So erzieht die Werbung nicht nur potenziell kranke Menschen heran, sondern macht auch in hohem Grade unzufrieden. Wer sich nicht leisten kann, was als absolut notwendig propagiert wird, der wird unzufrieden und unglücklich. Das geht Kindern wie Erwachsenen so. Und wie hoch ist wohl die Chance auf ein glückliches und reales Leben, wenn das Vergleichsobjekt die kunterbunte Glitzerwelt der Werbung ist?
Auch Eltern sind stets der Gefahr ausgesetzt, die suggerierten Ideale der Werbung nicht nur auf sich, sondern auch auf die eigenen Kinder zu beziehen. Besonders krankhafte Ausmasse erlebt man seit den 1970er Jahren in den USA: Hier finden vor allem im ländlichen Bereich «Miss-Wahlen» statt, bei denen Grundschulkinder wie Models ausstaffiert vorgeführt und ihrer Kindheit beraubt werden.
Um die Ausgangsfrage zu beantworten: Ja, Werbung kann krank machen, aber nicht nur Kinder! Zusätzlich zum bereits erwähnten sozialen Druck und einem abnormalen Konsumverhalten treten infolgedessen häufig auch körperliche Krankheitssymptome auf. Nicht umsonst entwickeln sich viele kleine Persönlichkeiten in Extreme: Starkes Übergewicht oder die gefürchtete Magersucht, ausgeprägte Egozentrik und Frühreife zählen zu den deutlich sichtbaren Merkmalen eines Fehlverhaltens beim Fernsehen.
Einen tatsächlichen Schutz vor Fernsehen und Werbung gibt es nicht. Wichtig ist zu beachten, dass sich Eltern der Gefahr bewusst sein müssen, die von der bunt glitzernden Scheinwelt im TV ausgehen kann. Wer also darauf achtet, dass sein Kind «fern sieht» und nicht «vor der Glotze sitzt» kann einer schädlichen Entwicklung des Fernsehkonsums aus dem Weg gehen.
Text: Daniel D. Eppe