Einzelkinder – Brauchen Kinder Geschwister?

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Einzelkinder – Brauchen Kinder Geschwister?

Ihr Image ist nicht gerade das allerbeste. Einzelkinder gelten allgemein als egoistisch, altklug, verwöhnt, unsensibel und besserwisserisch. Stimmen diese Vorurteile wirklich?

Einzelkinder sind viel besser als ihr Ruf

Vor einiger Zeit galten Einzelkinder tatsächlich noch als Mamas verhätschelte Lieblinge. Dieses Vorurteile stammt aus einer Zeit, in der Grossfamilien zum selbstverständlichen und normalen Familienmodell zählten und Einzelkinder etwas Aussergewöhnliches waren. Doch das Verwöhnen eines Kindes ist grundsätzlich eine Frage des Erziehungsstiles.
 
Mittlerweile haben sich die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, in denen Einzelkinder aufwachsen stark verändert. Durch gleichaltrige Kinder in der Nachbarschaft, in der Krabbelschule, im Kindergarten und später in der Schule haben Einzelkinder die Möglichkeit, soziale Kontakte aufzubauen, ähnlich wie sie es mit Geschwistern hätten. Sie lernen hier ebenso Eigenschaften wie Toleranz oder Einfühlsamkeit. Die meisten Einzelkinder sind sogar offener als Geschwisterkinder, da sie nicht schon von vornherein ein «Gspänli» haben, sondern den Kontakt zu anderen Kindern erst suchen müssen.
 
Auch entgegen dem Vorurteil, Einzelkinder wären schlechte Teamspieler, ist gerade bei ihnen oftmals zu beobachten, dass sie durch die ungeteilte Aufmerksamkeit der Eltern grosse Sensibilität für andere entwickeln und bei Konflikten zwischen Gleichaltrigen oft für gerechten Ausgleich sorgen.

Weitere Stärken von Einzelkindern

Pädagogen kamen zu dem Schluss, dass die Schulleistung von Einzelkindern im Vergleich zu Kindern mit Geschwistern um einiges besser ist. Sie wären leistungsorientierter, schneiden selten mit negativem Schulabschluss ab und wählen meistens eine höhere Schulausbildung. Das liege laut Ergebnissen von Forschern daran, dass sich Eltern intensiv um das Kind kümmern und all ihre Energie und Zeit in das eine Kind stecken können. Daraus resultierend ist dann meistens der erhöhte Erwartungsdruck, der das Einzelkind dazu motiviert, sein Bestes zu geben. Durch die häufige Berufstätigkeit beider Elternteile lernen Einzelkinder meistens schon sehr früh, sich selbst zu beschäftigen, was die Selbständigkeit hervorragend fördert.

Nachteil für Einzelkinder

Mit einem sind Einzelkinder jedoch tatsächlich verwöhnt: mit der Aufmerksamkeit der Eltern. Einzelkinder sind es gewöhnt ausgiebige und ungeteilte Aufmerksamkeit zu erhalten, was manchen von ihnen Schwierigkeiten bereitet, wenn sie nicht im Mittelpunkt stehen. Einen weiteren Nachteil haben Einzelkinder bei der Konfliktgewandtheit. Da ihnen die tägliche Auseinandersetzung mit einem Geschwister fehlt, sind Einzelkinder im Umgang mit fremden oder den eigenen Agressionen ungeübter. Als Erwachsene sind Einzelkinder von Geschwisterkindern jedoch kaum noch zu unterscheiden.

Aus dem Auge des Einzelkindes

Wie empfinden die Einzelkinder selbst darüber, ob sie nicht lieber mit Geschwistern aufwachsen würden oder aufgewachsen wären? Einzelkinder, die man dazu befragt hat, haben erwähnt, dass sie sich oft einsam gefühlt haben und dass es niemanden gab, mit dem man sich vergleichen oder messen konnte. Geschwister würden hervorragend Möglichkeit bieten, sich gegenseitig auszutauschen. Ein weiterer Nachteil von Einzelkindern ist, dass sie viel mehr darunter leiden, wenn sich Eltern trennen.

Fazit

Obwohl Ein-Kind-Familien mittlerweile Standard sind, halten sich die Vorurteile ihnen gegenüber noch immer hartnäckig. Ob Kinder nun mit oder ohne Geschwister aufwachsen, prägt bis zu einem gewissen Mass die Kindheit, nicht aber das ganze Leben. Einen typischen «Einzelkindcharakter» gibt es so gut wie nicht. Alles im Leben hat seine Vor- und Nachteile, ob man sich nun für ein Kind oder mehrere Kinder entscheidet.
 
Text: Tina Voss