Das saubere Kind – Wie viel Hygiene ist gesund?

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Das saubere Kind – Wie viel Hygiene ist gesund?

Hygienisch rein ist absolut «in». Das gilt nicht nur für Hausfrauen. Auch Müttern suggeriert die Werbung für Putzmittel die angebliche mikroskopische Gefahr. Kinderärzte und Gesundheitsämter schlagen hingegen Alarm gegen den Putzwahn, der die ganze westliche Welt erfasst.

Bakterien und Viren immer eine Gefahr?

Wer von Bakterien und Viren hört, denkt automatisch an eine akute Gesundheitsgefährdung. Grundsätzlich stimmt das auch. Allerdings müssen Eltern bedenken, dass die vermeintliche Gefahr eine lebensnotwendige Rolle in der körperlichen Entwicklung des Menschen spielt.

Bakterielle Grundlagen

Viele werden sich an die alte Sandkastenweisheit «Dreck reinigt den Magen!» erinnern. Wie in jeder Weisheit liegt auch hier ein Körnchen Wahrheit versteckt. Das kindliche Immunsystem muss ähnlich wie ein Computerprogramm auf den Umgang mit krankheitserregenden Stoffen programmiert werden. Diese Programmierung erfolgt schon mit der Muttermilch, die neben den wichtigen Nährstoffen erste Bakterienkulturen enthält, die den Verdauungstrakt des Kindes auf das Leben vorbereiten.

Kinderumgebung desinfizieren?

Eine keimfreie Umgebung des Kindes mag beim ersten Überlegen sinnvoll sein. Allerdings sollte man überlegen, dass eine desinfizierte Umwelt die Programmierung des Immunsystems verhindert.

Gelassenheit üben

Wenn ein Kind im Sandkasten beherzt ein Stück «Sandkuchen» probiert, ist das nicht weiter schlimm. Die eventuell im Sand enthaltenen Bakterien greifen zwar das Immunsystem an, aber dieses weiss sich selbst zu helfen. Der Körper reagiert auf den bakteriellen Angriff dementsprechend mit leichten Krankheits- symptomen wie beispielsweise Übelkeit, leichtem Durchfall oder kleinen, unproblematischen Fieberschüben. Dieses hat jedoch den Vorteil, dass sich, wie angemerkt, das Immunsystem die Kampfstrategie der Erreger merkt und beim nächsten Angriff direkt reagieren kann.

Kinderkrankheiten sind wichtig

Ähnlich einem Angriff von Bakterien verhält es sich auch mit Viren, die Kinderkrankheiten auslösen. Eine Erkrankung an Scharlach oder Windpocken ist ohne Zweifel für Kinder und Eltern sehr unangenehm. Diese Krankheiten sind wichtig, weil das Immunsystem durch die Bildung von Antikörpern eine erneute Erkrankung verhindert. Wächst ein Kind in einer sterilen Umgebung auf, kommt es im Erwachsenenalter beim ersten Kontakt mit den Kinderkrankheiten meist zu schwerwiegenden, komplizierten Krankheitsverläufen, die nur mit starken Medikamenten therapiert werden können.

Fazit

Kinderärzte warnen, dass eine sterile Umgebung Erkrankungen wie Neurodermitis oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten fördern. Das zeigt, dass man sein Kind durch eine im Rahmen gehaltene Gelassenheit beim Thema Hygiene körperlich auf das Leben vorbereitet. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann sich an seinen behandelnden Kinderarzt wenden, der in der Regel über viele Information zum Thema «Übertriebene Hygiene» und deren Folgen für Ratsuchende verfügt.

Text: Daniel D. Eppe