Künstliche Befruchtung als Fortpflanzung
Viele Paare, die sich sehnsüchtigst ein Kind wünschen, stehen vor dem Problem: Es will und will einfach nicht klappen. Nach längerer, leider erfolgloser «Probezeit» zweifelt man an sich selbst und beginnt, sich Fragen zu stellen. Wird es nie klappen? Sollen wir zum Arzt gehen und möglicherweise eine künstliche Befruchtung in Betracht ziehen? Wie funktioniert eine solche und ist diese Prozedur für die Frau sehr unangenehm?
Was versteht man unter künstlicher Befruchtung?
Das erste – sogenannte Retortenbaby – kam vor 30 Jahren zur Welt. Heutzutage ist die «In-Vitro-Fertilisation (IVF)» medizinisch gesehen Routine. Doch wie genau funktioniert eine künstliche Befruchtung? Eigentlich ist das, was man künstliche Befruchtung nennt nicht wirklich künstlich. Eine In-Vitro-Fertilisation (IVF) läuft in der Regel genauso ab wie eine natürliche Befruchtung – aber eben im Reagenzglas. Aber genauso wie sonst im Eileiter verschmelzen auch hier Samen und Eizelle miteinander.
Ab wann sollen wir zum Arzt gehen?
Das hängt vor allem vom Alter des Paares ab. Haben junge Frauen unter 35 schon zwei Jahre lang regelmässig ungeschützten Geschlechtsverkehr und sind noch nicht schwanger, dann ist dies höchst ungewöhnlich. Bei einer Vierzigjährigen wäre dies eher normal. Experten raten grundsätzlich, nach einem Jahr Geschlechtsverkehr ohne Verhütung ein Spermiogramm machen zu lassen. Dies dient dazu, erst einmal Fruchtbarkeitsprobleme beim Mann auszuschliessen.
Wie genau läuft eine künstliche Befruchtung ab?
- Als erstes werden die Spermien des Mannes auf Anzahl, Beweglichkeit, Form und mögliche Infektionen hin geprüft. Ob und in welchem Ausmass ein Mann zeugungsfähig ist, kann man im sogenannten Spermiogramm erkennen.
- Als zweiten Schritt wird mittels hormoneller Stimulation die natürliche Aktivität der Eierstöcke blockiert. Eine tägliche Hormonabgabe lässt dann anschliessend eine grössere Anzahl von Eizellen parallel reifen. Etwa zwei Wochen später werden diese dann ebenfalls hormonell fruchtbar gemacht, d.h. auf den Eisprung vorbereitet.
- Bei der Eizellen-Punktion entnimmt der Arzt der Frau fünf bis 15 Eizellen – diese werden dann in eine Nährflüssigkeit gelegt.
- Danach erfolgt die Befruchtung, bei welcher die Spermien des Mannes gezielt aufbereitet und in einem Reagenzglas mit den Eizellen zusammen gebracht werden. Weiterreifen dürfen bis zu drei befruchtete Eizellen, die sich noch nicht geteilt haben.
- Der letzte Schritt wird als «Embryonen-Transfer» bezeichnet. Nach ungefähr drei Tagen sind aus den Vorkernen achtzellige Embryonen entstanden, welche über einen Schlauch in die Gebärmutter eingesetzt werden.
Ist eine künstliche Befruchtung für die Frau sehr unangenehm?
Bis vor einigen Jahren musste die Frau täglich zum Arzt, um sich Hormone spritzen zu lassen. Mittlerweile gibt es Einmalspritzen mit vordosierter Wirkstoffmenge, welche einfach zu Hause angewandt werden können. Während dieser Stimulationsphase fühlen sich rund ein Drittel der Frauen aufgeschwemmt, und viele schwitzen schneller und stärker. Nur in ganz seltenen Fällen muss die Hormonstimulation aufgrund Unverträglichkeit abgebrochen werden. Damit die Prozedur der Ei-Entnahme komplikationsärmer abläuft, empfehlen viele Ärzte ein Schlafmittel, eine lokale Betäubung oder eine Vollnarkose (10 bis 15 Minuten).
Text: Sabine Trach