
Die 10. Schwangerschaftswoche stellt in der Entwicklung des Kindes eine bedeutende Schwelle dar: Ab hier handelt es sich nicht länger um ein Embryo, der Mediziner spricht nunmehr vom Fötus. Alle Organe sind fertig, alle Körperteile vorhanden. Ein umfangreicher Reifungsprozess setzt ein, lediglich winzige Details wie Finger- und Fussnägel sowie zarte Flaumhärchen werden noch ergänzt. Der schwanzartige Stummel am Ende der Wirbelsäule verschwindet, Aussen- und Innenohr gelangen in die endgültige Form. Speziell die Nervenzellen weisen eine rasante Wachstumsrate auf, erste Synapsen bilden sich und ermöglichen schon jetzt Reflexe. Die Körperlänge liegt bei rund 3 cm, das Gewicht überschreitet allerdings kaum die 5-Gramm-Grenze. Ein grosser Schritt auf der Strecke der Menschwerdung ist geschafft.
Die ersten, manchmal kritischen Wochen sind überstanden – das merkt auch die Mutter. Übelkeit und Dauermüdigkeit bessern sich, auch wenn sie noch nicht ganz verschwinden. An dieser Stelle wird das Leben also wieder etwas leichter, dafür macht den meisten Frauen nun ihre Blase zu schaffen. Die Gebärmutter wird deutlich grösser und drückt häufig auf die Blase – in dieser Zeit lernt Frau gut erreichbare Toiletten wirklich schätzen. Zu beachten ist, dass die Wahrscheinlichkeit einer Blasenentzündung nun erheblich grösser ist. Um die damit auch verbundene Gefahr für die Schwangerschaft (durch aufsteigende Entzündungserreger) zu mindern, sollte die werdende Mutter ausreichend trinken und für warme Füsse sowie für eine warme Beckenregion sorgen. Bei den ersten Anzeichen einer Blasenentzündung ist der Gang zum Arzt unvermeidlich, er wird mit einem schwangerschaftstauglichen Antibiotikum gegebenenfalls schnell Abhilfe schaffen.
Text: Claudia Eichhorn
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