
Das Kind wächst und wächst – runde 4,5 cm ist es nun schon lang. Der kleine Blutkreislauf nimmt seine Arbeit auf, die ersten Organe wie Leber und Milz werden aktiv. Die zarten Finger und Zehen sind bei genauem Hinsehen im Ultraschall erkennbar, manch ein Baby winkt schon fröhlich damit herum. Während der 11. Schwangerschaftswoche sind am kindlichen Körper Indizien für eventuelle Missbildungen vorübergehend besonders deutlich zu erkennen. Im Fall einiger Chromosomenveränderungen, aber auch bei möglicherweise bestehenden Herzfehlbildungen staut sich in dieser Zeit im Nackenbereich des Fötus vermehrt Flüssigkeit. Dies ist mittels einer sehr differenzierten Ultraschallmethode gut erkennbar.
Die 11. Woche wird von vielen Ärzten als optimaler Zeitpunkt für das Ersttrimester-Screening, auch Nackenfalten-Transparenzmessung genannt, empfohlen. Hierbei wird per Ultraschall, Blutuntersuchung der Mutter und allgemeiner Risikofaktoren eine Wahrscheinlichkeitsrechnung aufgestellt, die das Risiko eines kranken bzw. behinderten Kindes bestimmt. Zugrunde liegen vorrangig statistische Vergleichswerte. Da im Ergebnis jedoch nie ein präzises «Ja» oder «Nein», sondern immer nur ein «mehr oder weniger wahrscheinlich» steht, kann diese Untersuchung die jungen Eltern in ein schweres Dilemma stürzen. Natürlich will man genau über den Zustand seines Kindes informiert sein, nur eben jene gewünschte Genauigkeit ist hier nicht machbar. Mehr Erkenntnis bei einem erhöhten Risiko bringt eine Fruchtwasserpunktion, die wiederum allerdings auch Fehlgeburten auslösen kann. Die Eltern und speziell die Mütter stehen hier also vor einer grossen Entscheidung: Wie ernst wollen wir eine «Kann»-Aussage nehmen? Und welche Konsequenzen ziehen wir aus dem Ergebnis? Das Screening ist allerdings keine Pflichtuntersuchung. Als würde eine solche Frage die Schwangere nicht schon genug belasten, wird sie nun häufig von Kreislaufbeschwerden geplagt. Ihre Blutmenge erhöht sich, ebenso wie der Herzschlag – darauf muss Mamas Körper sich erst einmal einstellen.
Text: Claudia Eichhorn
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