Antiautoritäre Erziehung – (K)eine Lösung?lesenswert!

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Antiautoritäre Erziehung – (K)eine Lösung?

Die Geburt eines Kindes ist für Eltern wohl der schönste Moment im Leben. Doch die Babys bleiben nicht immer ganz klein. Eltern, die fürsorglich um ihre Kinder bemüht sind, müssen sich sehr bald mit der Frage auseinandersetzen, wie die Erziehung des Kindes aussehen soll. Schliesslich soll aus dem Kind ein verantwortungsvoller, gesellschaftsfähiger Jugendlicher und Erwachsener werden. Doch wie stellt man das als Elternteil richtig an? Welche Erziehungsform ist für mein Kind die Beste?

Verschiedene Arten der Erziehung

Im Laufe der Jahre und Jahrzehnte haben sich die Ansichten und Formen der Erziehung immer wieder stark verändert. Folgende Erziehungsformen sind bekannt: antiautoritäre Erziehung, autoritäre Erziehung, laissez-faire Erziehung und demokratische Erziehung. Der umstrittenste Erziehungsstil war wohl ohne Zweifel die antiautoritäre Erziehung, der immer viele Befürworter aber auch genauso viele Gegner hatte.

Was versteht man unter antiautoritärer Erziehung?

Unter dem Begriff «antiautoritäre» Erziehung versteht man eine Erziehungsmethode, die zwangfrei abläuft und fördernd für die eigene Selbstentfaltung des Kindes sein soll. Kurz gesagt, Kindern wird freie Hand gelassen, damit sie ihre Persönlichkeit, ihre Kreativität, ihr Selbstbewusstsein und ihre Gemeinschaftsfähigkeit frei entfalten können.

Der Ursprung der antiautoritären Erziehung

In den 1920er Jahren wurden Kinder zum extremen Gehorsam ihren Eltern gegenüber erzogen. Die traditionelle Unterordnung in der Gesellschaft wurde regelrecht automatisch gefordert. Eine natürliche Entwicklung des Selbstbewusstseins und der Kreativität des Kindes wurde total unterdrückt. Diese Art der Erziehung führte sehr oft zu aggressivem Verhalten und der Auflehnung des Kindes und der Jugendlichen. In den 1960er Jahren kam dann der grosse Wandel. Kritiker der autoritären Erziehung sowie manche Politiker sprachen sich für eine antiautoritäre Erziehung aus, da sie der festen Meinung waren, die bisherige autoritäre Erziehung schade dem Kind und wirke sich negativ auf seine persönliche Entwicklung aus.

Kritiker der antiautoritären Erziehung

Sehr schnell erkannte man, dass eine antiautoritäre Erziehung auch nicht unbedingt den Erfolg brachte, den man sich erhoffte. Forscher erklären dies wie folgt: Durch eine antiautoritäre Erziehung wird die Aggressivität des Kindes gefördert. Kinder, denen keine Grenzen gesetzt werden, erkennen diese auch nicht. Sie sind ständig auf der Suche nach Grenzen und wollen diese auch austesten. Da sie ihre Grenzen ohne Anleitung der Eltern selbst unmöglich finden können, sind sie frustriert und in späterer Folge entwickeln sich daraus Aggressionen. Kinder, die antiautoritär erzogen werden, müssen die zahlreichen sozialen Verhaltensregeln alleine herausfinden. Dieser Umstand überfordert sie völlig. Die Folge: bei solchen Kindern wurde im Erwachsenenalter häufig ein asoziales Verhaltensmuster festgestellt.

Wie soll man nun sein Kind erziehen?

Der krasse Gegensatz zur antiautoritären Erziehung ist die autoritäre Erziehung. Dabei wird ein Grossteil der Aktivitäten von den Eltern bestimmt. Das Denken und Verhalten des Kindes wird ebenfalls von den Eltern geprägt und es wird dabei oft von den Eltern zurechtgewiesen und getadelt. Die Folge von dieser Art der Erziehung ist oft, dass die Kinder kaum Selbstbewusstsein besitzen und wenig selbständig sind. Jahrzehntelange Beobachtungen haben gezeigt, dass die beiden extremen Erziehungsstile wie antiautoritäre Erziehung und autoritäre Erziehung langfristig wenig Erfolg zeigen, sodass der demokratische Erziehungsstil erfahrungsgemäss die besten Erfolge erzielt hat und von Pädagogen gerne empfohlen wird.

Goldener Mittelweg: Der demokratische Erziehungsstil

Beim demokratischen Erziehungsstil hat das Kind die Möglichkeit, viele Dinge in seinem Leben selbst zu bestimmen. Wichtige Entscheidungen werden gemeinsam als Familie besprochen. Dies wiederum fördert die Eigenaktivität, das Selbstbewusstsein und die Selbständigkeit. Die Familie wird ein «sicherer Hafen» sein, in dem das Kind durch Wärme, Akzeptanz und Einfühlungsvermögen ein ausgewogenes Verhältnis zu Autorität und Freiheit entwickeln kann.

Fazit

Bei der Kindererziehung sollte man keinen Extremen folgen, sondern seinen gesunden Menschenverstand einschalten. Jedes Kind ist anders, also kann man hier wohl kein «Patentrezept» für die richtige Erziehung erstellen. Eine gute Mischung aus mehreren Erziehungsstilen mit Hauptaugenmerk auf die Bedürfnisse des Kindes ist hier wahrscheinlich die richtige Lösung.

Text: Tina Voss