Die Kunst des Loslassens – Der sichere Schulweg
Mit der Einschulung beginnt für Eltern und Kinder ein neuer Lebensabschnitt, der den Eltern einiges abfordert: Mit der Übergabe der Schultüte wird einem nicht nur bewusst, dass der Nachwuchs erwachsen wird – es wird auch Zeit, sein Kind allmählich in die Selbstständigkeit zu entlassen.
Erste Stationen
Viele Eltern vertrauen ihren Zöglingen schon in der Kindergartenzeit soweit, dass sie den Weg vom und zum Kindergarten allein zurücklegen dürfen. Dieses Vertrauen macht Kinder selbstbewusst und verhilft zur Eigenständigkeit. Allerdings ist mit der ersten Zeit im Schulleben besondere Vorsicht geboten: Das Kind hat nicht nur mit der neuen Umgebung in der Schule, sondern auch mit neuen Kindern und Bezugspersonen zu tun. Diese Eindrücke werden oft auf dem Schulweg verarbeitet und verleiten zur Träumerei.
Den Schulweg automatisieren
Eltern sollten in den ersten Wochen und Monaten ihre Kinder konsequent auf dem Schulweg begleiten. Hilfreich ist es, den Schulweg zu automatisieren. Feste Rituale an markanten Stationen (Ampeln, Strassenkreuzungen) helfen dem Kind, sich auch «in seinen Träumereien» sicher auf dem Schulweg zu verhalten. Empfehlenswert sind hier kleine Verse, die an Wegstellen zusammen mit dem Kind aufgesagt werden wie «Bei Grün darfst du gehen, bei Rot musst du stehen!».
Vertrauen vorbereiten
Kennt ein Kind seinen Schulweg wie seine eigene Westentasche, kann man es diesen Weg auch alleine zurücklegen lassen. Ratsam ist es, Schulweg-Gemeinschaften mit Kindern aus der Nachbarschaft und der näheren Umgebung zu bilden. Zum einen ist der ABC-Schütze dann nicht allein unterwegs und hat zum anderen auf dem Schulweg die Möglichkeit, mit Gleichaltrigen das Erlebte direkt auszutauschen und unter seinesgleichen zu verarbeiten. Eltern können den Vorteil nutzen, sich mit anderen Eltern in Kontakt zu setzen, um so an «Hintergrundinformationen» zu gelangen.
Vertrauen schenken
Wer sein Kind zu sehr behütet, läuft Gefahr, die Entwicklung des Selbstvertrauens zu behindern. Beliebtestes Beispiel ist die zeitliche Kontrolle des Schulweges: Kinder geraten sehr schnell ins Träumen und somit auch ins Trödeln. Ausserdem entdecken Kinder auch vertraute Umgebungen immer wieder neu. So kann eine interessante Raupe oder eine Baustelle mit Baggern das Zeitgefühl des Kindes durcheinander bringen. Bei Verspätungen dieser Art sollten Eltern einen kühlen Kopf bewahren.
Fazit
Eltern, die ihrem Kind schnell das Vertrauen schenken, den Schulweg allein zu bewältigen, unterstützen es massgeblich in der persönlichen Entwicklung. Natürlich soll an dieser Stelle nicht zu einem all zu sorglosen Umgang mit dem «Vertrauen» geraten werden, sondern nur dazu, auch bei kleinen Verspätungen Ruhe zu bewahren.
Text: Daniel D. Eppe