Erziehung: Eltern als Vorbild

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Erziehung: Eltern als Vorbild

Die Regale der Buchhandlungen sind voller Ratgeber zum Thema Kindererziehung und im Fernsehen gibt es viele fachmännische Anweisungen von Psychologen und Nannys, wie Eltern ihren Kindern entgegentreten müssen, was sie erlauben dürfen und was nicht. Ist es wirklich so schwer, eine gute Mutter oder ein guter Vater zu sein? Das Ziel aller Eltern ist doch im Prinzip dasselbe: Sie wollen ihre Kinder zu toleranten, sozial denkenden, umgänglichen und höflichen Menschen aufwachsen sehen. Gibt es dabei wirklich so viele unterschiedliche Theorien, Wege und Regeln zu beherzigen? Je mehr Meinungen Eltern einholen, umso weniger Hilfe verspüren sie. Statt Sicherheit in der Erziehung ist Verunsicherung der meisten Eltern die Folge.

Worauf es bei der Erziehung wirklich ankommt

Wie in allen Lebensbereichen gilt auch in der Erziehung: Das Wesentliche, der Kern sozusagen, muss stimmen. Alles andere baut darauf auf, ergibt sich aus der speziellen Lebenssituation und individuellen Eigenheiten. Der erste Pädagoge, der kurz und zutreffend formulierte, was Erziehung in der Essenz ist, war der Schweizer Johann Heinrich Pestalozzi: «Erziehung ist Liebe und Vorbild, sonst nichts». Eltern, die diesen Satz beherzigen, werden erkennen, dass ihre Kinder Orientierung und Halt in erster Linie darin finden, dass sie sehen und erleben, wie ihre wichtigsten Bezugspersonen in bestimmten Situationen reagieren, was sie sagen und tun (oder auch nicht), wie sie jemanden behandeln und was sie konsumieren. Es ist wichtig, dass Eltern begreifen, dass alles von ihnen ausgeht.
 
Kinder sind grosse Nachahmer, sie lernen in den ersten Lebensjahren hauptsächlich durch das Kopieren dessen, was sie bei anderen sehen. Erziehung kann also ganz einfach sein, bedeutet es doch, dass Kinder nicht in eine bestimmte Richtung gezogen werden müssen, sondern dass sie von ganz alleine dorthin gehen, wohin wir auch gehen.

Die Botschaft muss eindeutig sein

Ein Kind, dem immer wieder vorgebetet wird, wie schädlich Fernsehen ist und dass daher die Kiste gefälligst ausbleibt, wenn die Comicserie läuft, die in der Klasse doch alle anschauen, das aber immer wieder erlebt, wie der alltägliche Gang zum Gerät nach dem Abendessen die selbstverständlichste Handlung des Vaters ist, wird dem Gesagten wenig Glauben schenken. Einem Kind zu predigen, dass es keine Vorurteile haben solle, wenn es doch immer wieder Sätze hört, wie «Ich habe wirklich nichts gegen Ausländer, aber ...» oder «kein Wunder bei den Eltern», hat wenig Aussicht auf Erfolg. Kinder zur Sparsamkeit zu erziehen, sollte nicht damit beginnen, ihr Taschengeld einzuschränken und Regeln aufzustellen, was sie sich davon kaufen dürfen, sondern damit, das eigene Kaufverhalten zu beobachten, sich beim Einkaufen selbst an den Einkaufszettel zu halten.

Authentisch leben, nicht perfekt!

Um Kindern ein Vorbild zu sein, muss man keineswegs perfekten, immer umgänglich oder unfehlbar sein. Wer sich mit solchen Vorstellungen unter Druck setzt, wird Schiffbruch erleiden. Wer ist schon immer liebenswürdig, fährt nie aus der Haut oder tut anderen unbewusst Unrecht? Kinder durchschauen unsere Masken und Bemühungen, ihnen Mr. oder Mrs. Perfect vorzuspielen. Das beste Vorbild für ein Kind ist nicht jemand, der (scheinbar) nie Fehler macht, sondern jemand, der seinen Fehler zugibt und versucht, Unrecht zu korrigieren und daraus zu lernen. Zur Ehrlichkeit zu erziehen braucht nicht anderes, als selbst ehrlich zu sein. Nicht mehr und nicht weniger.
 
Text: Petra Kaiser