
In der Regel ist es die Kinderkrippe oder spätestens der Kindergarten, in dem Kinder zum ersten Mal auf eine Gruppe Gleichaltriger stossen. Die Gruppen sind hier natürlich eine Notwendigkeit, um die zahlreichen Kinder überhaupt betreuen zu können. Einzelbetreuung wäre nicht nur eine sehr kostspielige Angelegenheit, sondern auch für die Entwicklung des Sozialverhaltens des Kindes ungünstig.
Kinder, die neu in eine Gruppe eingegliedert werden, «fremdeln» für gewöhnlich die erste Zeit. Das ist ein völlig normaler Prozess, denn schliesslich ist es nicht ganz einfach, sich in einer Gruppe fremder Kinder sofort zurechtzufinden. Als Kind ist es natürlich schwer, sich aus diesem Gefühl der Fremde und des «Alleingelassenseins» durch die Eltern zu befreien. Im Regelfall findet sich aber schnell ein Kind für einen ersten Kontakt, sei es durch die Initiative des Kindes selbst oder durch das Nachhelfen einer Betreuungsperson. Ist dieser erste Schritt erst getan, ergeben sich rasch neue Kontakte zu den anderen Kindern, das Eis bricht Stück für Stück. Schon jetzt hat das Kind erste soziale Erfahrungen machen können.
Lernen in der Gruppe gehört in allen Phasen des Lebens dazu. Sinn und Zweck ist es, Wissen und Zusammenhänge durch die Recherche zusammen mit anderen herauszufinden. In jungen Jahren ist dies zunächst oft gemeinsames Basteln oder Malen, später im Schulalter finden Gruppen aus Kindern vielleicht physikalische Zusammenhänge heraus oder schreiben einen gemeinsamen Aufsatz. Natürlich wird hier konkret Wissen erworben, aber auch die soziale Entwicklung ist in allen Lebensstufen ausschlaggebend. Vor allem Kinder lernen nun, sich mit anderen Gleichaltrigen über ein Thema zu unterhalten und konkret zusammenzuarbeiten. In der Gruppe lässt sich zum ersten Mal erfahren, wie es ist, gemeinsam ein Ziel zu erreichen.
Wenn sich Kinder in Gruppen aufteilen und eine Aufgabe gestellt bekommen, wird sich schnell eine Rangordnung bilden. Die Kinder, die ein besonders selbstsicheres Auftreten haben, werden rasch die «Leitung» der Gruppe übernehmen, schüchterne Kinder werden sich eher unterwerfen und den Mund halten. Auch das ist zunächst ein normaler Prozess. Das Ziel, das oft nur durch den Eingriff des Betreuungspersonals erreicht werden kann, ist die Schaffung eines gewissen Gleichgewichts. Selbstsichere Kinder sollten zur Zurückhaltung ermahnt und schüchterne Kinder zur Eigeninitiative ermutigt werden. Gelingt dies, werden auch die Kinder schnell feststellen können, dass nur auf diese Weise die Gruppe Ergebnisse liefern kann.
Jedes Kind wird in einer Gruppe glückliche und unglückliche Zeiten verleben. Unglücklich ist ein Kind vor allem dann, wenn es in der Gruppe «untergeht», also keinen Beitrag leisten kann, weil es sich nicht traut, etwas zu sagen, oder Angst vor Streit hat. Ebenso unglücklich sind die «starken» Kinder, die gerne zuerst das Wort ergreifen, wenn sie in ihre Schranken gewiesen werden. Durch dieses Zusammenwirken wird es immer wieder Streit und Tränen geben, letzten Endes erkennen aber auch Kinder in jungen Jahren schon, wie positiv sich die Gruppe verändert, wenn all ihre Mitglieder gleichberechtigt sind. Auf diese Weise lässt sich nicht nur eine gestellte Aufgabe viel leichter bewältigen, jedes Kind wird zudem in seinem sozialen Verhalten geschult.
Das Lernen in der Gruppe vermittelt nicht nur notwendiges Wissen, sondern schult auch mehr und mehr das soziale Verhalten eines Kindes. Beides sind wesentliche Faktoren, die für das spätere Leben unerlässlich sind.
Text: Daniel D. Eppe