Lebenslanges Lernen – Bildung soll kein Luxus sein!

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Lebenslanges Lernen – Bildung soll kein Luxus sein!

«Bildung ist nicht Wissen, sondern das Interesse am Wissen.»
(Hans Margolius)

 
Beinahe eine Milliarde Menschen weltweit können weder lesen noch schreiben. Das ist jeder fünfte Mensch auf der Erde. 98 % der Analphabeten leben in der so genannten «Dritten Welt», beinahe zwei Drittel davon sind Mädchen und Frauen. Neben den absoluten Analphabeten leben in allen Ländern noch unzählige, so genannte praktische Analphabeten, d.h. Leute, die auf dem Gebiet des Lesens und Schreibens nur Minimalfähigkeiten besitzen und nicht imstande sind, Texte von Büchern, Zeitschriften, Zeitungen oder auch Dokumenten zu lesen bzw. richtig zu deuten.

Für Millionen Kinder ist Schule Luxus

Mehr als 100 Millionen Kinder im Alter zwischen sechs und elf Jahren haben noch niemals eine Schule von innen gesehen. Der Besuch einer Bildungseinrichtung ist dort ein Luxus, für den kein Geld übrig bleibt. In europäischen Ländern hingegen wird Schule als eine lästige Alltäglichkeit empfunden, mehr Last als Luxus. Hier wird jedoch versucht, die Schule zu einem Ort zu machen, an dem sich die Kinder wohl fühlen, lernen und einfach Mensch bzw. Kind sein können.
 
In der heutigen Zeit sind Lesen und Schreiben Grundvoraussetzungen für eine effektive Mitwirkung in Politik, Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft. Um einen sinnvollen Beitrag zum wirtschaftlichen und sozialen Leben zu leisten, muss jeder Einzelne bemüht sein, ein möglichst hohes Niveau an Bildung zu erreichen. Nur so kann man geschriebene Sprache richtig nutzen. Die Folge ist einerseits eine bessere soziale Stellung und meistens ein höheres Einkommen, andererseits ergeben sich aber auch vermehrte Möglichkeiten der Unterhaltung.

Was ist Bildung?

Bildung kann nur dort entstehen, wo der Bildungsprozess freiwillig geschieht. Sie beginnt schon bei der Geburt. Wenn ein Baby das erste Mal lächelt, alleine sitzen kann, zu gehen beginnt und auch sprechen lernt, so sind dies alles einzelne Abschnitte an Bildung, die man nie mehr verlernt. Wichtig ist auch die Rolle der Eltern. Sie führen die Kinder in die Welt der Erwachsenen ein und lehren dabei Regeln, Normen und Verhalten, aber auch selbstständiges Denken und Handeln. Dennoch sind z.B. Kindergärten bis dato eher Aufbewahrungsstätten als Bildungseinrichtungen.

Lebenslanges Lernen

Viele, vor allem Jugendliche, denken, dass sie nach einem einmal erworbenen Bildungsabschluss nicht mehr lernen müssen. Laut einer Studie lesen 42 Prozent der 15- und 16-jährigen ausserhalb der Schule freiwillig nichts. Diese Jugendlichen greifen stattdessen viel lieber zur TV-Fernbedienung, zum PC oder zur Playstation. In Ländern, in denen diese Geräte nicht alltäglich sind, z.B. in Russland, wird daher eine deutlich höhere Lesekompetenz ausgewiesen.
 
Andererseits müsste man glauben, dass es durch die Medien, die es früher nicht gab bzw. sich viele nicht leisten konnten, heute einen Bildungsschub geben müsste. Jedoch ist der Unterschied an der «geforderten Bildung» zwischen früher und heute auch enorm. Wenn sich früher z.B. ein Lehrling durch betriebsinternes Engagement hinaufarbeiten konnte, so muss der Filialleiter von heute über ausserbetriebliche Fortbildung verfügen. Reichte früher ein Fachhochschul- oder Universitätsabschluss, so ist heute ein zusätzliches Zertifikat für die Karriereleiter dringend erforderlich.
 
Bildung sollte nicht nur eine umfassende Vorbereitung auf möglichst viele Bereiche der Arbeitswelt darstellen, sondern auch eine Vorbereitung auf das Leben und die Gesellschaft bieten. Nur durch ein Bildungssystem, das für alle zugänglich ist und in dem die Auszubildenden wesentlich an der Gestaltung des Unterrichts und der Lerninhalte mitwirken, kann ein bedeutender Schritt in eine bessere Zukunft gesetzt werden. Bildung ist, kurz gesagt, alles das, was man sich im Laufe seines Lebens aneignet, nicht nur im fachlichen Bereich.
 
Text: Bine Hold