Mit Bauchweh in die Schule – Hilfe fürs Kind

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Mit Bauchweh in die Schule – Hilfe fürs Kind

«Mama, ich hab Bauchschmerzen – ich glaub, ich kann nicht zur Schule gehen!» Gibt es irgendeine Mutter, die diesen Satz noch nie gehört hat?! Natürlich – manchmal liegts einfach an der etwas ungünstigen Kombination aus Pizza, Gummibärchen und Limonade, besonders in grösseren Mengen. Oft steckt aber auch etwas ganz anderes dahinter – und obwohl viele Eltern genau das ahnen, ist es dennoch mehr als schwierig damit umzugehen.

Tatsächlich Bauchweh? Oder Seelenkummer?

Das Praktische an Bauchschmerzen ist, dass sie so schwer nachweisbar sind. Im Zweifelsfall muss der blossen Behauptung eben Glauben geschenkt werden – es könnte ja schliesslich sein, dass doch… . Das soll nun aber bei Weitem nicht heissen, dass Kinder in dieser Angelegenheit hemmungslos und vorsätzlich mogeln – wenn jemand behauptet, etwas verursache ihm Bauchschmerzen, dann ist dem zumeist auch so. Gerade jüngere Kinder neigen dazu, jegliches persönliche Unwohlsein unter dem Begriff «Bauchweh» zusammenzufassen. Selbst wenn es nicht ausgerechnet in der Magengegend kneift – an irgendeiner Stelle liegt sicher etwas quer. Tatsächlich kann es aber auch so sein, dass bestimmte rein psychische Probleme früher oder später wirklich körperliche Beschwerden auslösen. Häufen sich die entsprechenden Äusserungen, sind sie unbedingt als ernste Warnsignale zu verstehen.

Gelegentlich oder dauerhaft?

Jeder erinnert sich an seine Schulzeit und an besonders gefürchtete Momente. Sportprüfungen, ungemachte Hausaufgaben, die Rückgabe einer gespickten Arbeit… so ein Schülerleben kann ziemlich nervenaufreibend sein. Dennoch gibt es Unterschiede zwischen seltenen, vielleicht selbst verursachten Bauchweh-Auslösern und dauerhaften, immer wiederkehrenden Aufregern. Wer sein Kind kennt, weiss zumindest um bestimmte Grundängste und kann sich daher manche spontan aufkommende Erkrankung gut erklären. Schwierig wird es, wenn sich der Bauchkummer häuft, vielleicht an bestimmten Tagen verstärkt auftritt oder zum ständigen Begleiter wird. Dann liegt es nicht mehr an Kleinigkeiten, die ein halbwegs gesundes Kinderego letztlich doch ganz gut verdaut – dann stehen oft ernste Schwierigkeiten dahinter. Wobei die grösste davon nicht selten in dem Umstand ruht, dass es den Kindern schwerfällt, sich jemandem anzuvertrauen.

Sorgen mit anderen oder mit sich selbst?

Mobbing, Leistungsdruck, Versagensängste, Aussenseitertum – es ist manchmal kaum zu fassen, wodurch heutzutage eine Kindheit beeinflusst wird. Immer häufiger muss über körperliche oder seelische Gewalt zwischen Gleichaltrigen berichtet werden, mehr und mehr geraten schon Kinder in der Unterstufe in eine bedenkliche Spirale aus externem Leistungsdruck und inneren Zwängen. Angst und Unsicherheit sind allerdings Dinge, mit denen gerade Kinder nicht zurechtkommen – ihnen fehlt schlicht die Lebenserfahrung, dies zu verarbeiten. Wer gerade lernt, sich in der Welt und seinem sozialen Umfeld einzuordnen und genau dann mit sich selbst oder anderen hadert, braucht Hilfe. Und in fast allen Fällen sind Bauchweh und Co. ein Signal dafür.

Abhilfe schaffen

Nicht immer ist Eltern das Ausmass der Katastrophe nachvollziehbar – für die Kinder ein Weltuntergang, für Erwachsene vielleicht nur eine lächerliche Lappalie. Der erste Schritt zur Lösung muss dennoch immer das vertrauensvolle Gespräch sein. Keine Angst sollte verlacht oder kleingeredet werden – nur wer sich ernstgenommen fühlt, wird sich öffnen und Hilfe annehmen. Kommt man trotz aller Bemühungen in der Familie nicht weiter, hilft vielleicht eine (dezente!) Konsultation mit den Ansprechpartnern in der Schule. Der Gang zum Arzt oder Kinderpsychologen will letztlich wohlüberlegt sein – untermauert eine solche Massnahme doch die vermeintliche Grösse des Problems. In jeden Fall braucht der Nachwuchs Unterstützung – Sätze wie «Da musst Du aber allein durch!» helfen hier nicht weiter.
 
Text: Claudia Eichhorn