

Hausaufgaben dienen in erster Linie dem Zweck, bereits Erlerntes nochmals zu praktizieren, zu vertiefen und zu ergänzen. Nichts, was auch der gescheiteste Kinderkopf einfach so nebenbei macht. Eine ordentliche, ruhige Arbeitsatmosphäre gehört zur Grundvoraussetzung für gutes Gelingen, ebenso wie ein aufgeräumter Arbeitsplatz und ordentliches Lernmaterial. Manchmal hilft es, ein paar Nüsse oder Kekse nebenher zu knabbern oder in Denkpausen einen Tee zu schlürfen – aber zusätzliche Geräusche?
Das Hauptargument aller Eltern ist wohl die Gefahr akuter Ablenkung. Schliesslich empfindet man ja selbst Musik bei der Arbeit oder beim Autofahren als störend für die Konzentration – wie sollen sich dann dabei Vokabeln einprägen oder binomische Formeln durchdrungen werden? Andererseits führen fast alle Schüler ins Feld, dass sie sich erst mit Musik ausreichend entspannen können und dann eher aufnahmefähig sind. Manche Kinder fühlen sich in ruhigen Räumen auch einfach unwohl. Doch woran kann man es festmachen, ob rhythmische Beschallung nun bei Hausaufgaben schadet oder hilft? Und gilt das dann für alle?
Immer wieder werden Testreihen durchgeführt, wie sich Musik bei den Hausaufgaben auswirkt und fast immer kommen sie zum gleichen Ergebnis: Wer Fakten lernen muss – Geschichtszahlen beispielsweise – empfindet Berieselung eher ablenkend. Geht es um das Vertiefen von Fähigkeiten – zum Beispiel Schönschreibübungen, Zeichnen, Handarbeiten oder etwa dem Planen und Durchdenken einer Gymnastik-Kür für den Sportunterricht – ist Musik eher hilfreich. Dennoch empfiehlt sich eine nicht allzu laute, relativ ruhige Musikrichtung. Über die intelligenzfördernde Wirkung bestimmter Stile lässt sich streiten, massgeblich sind hier dann doch eher die persönlichen Vorlieben. Radiobeschallung ist wegen der häufigen Nachrichten-, Gesprächs- und Werbeunterbrechungen eher zu vermeiden.
Ganz so einfach lässt sich das Pro und Contra jedoch nicht aufteilen. Jedes Kind lernt anders – manchem fällt alles zu, andere kämpfen um jede halbwegs gute Note. Wer sich sowieso schnell ablenken lässt, wird beim Lauschen der aktuellen Lieblings-CD wahrscheinlich eher ins Traumland abdriften als in die Tiefen der Grammatik. Andere Lerntypen vertiefen sich von ganz allein in den Schulstoff und nehmen Geräusche um sich herum dann nur noch ganz am Rande wahr. Nicht zuletzt hängt es vielleicht auch an der Tagesform – jeder Erwachsene kennt das Gefühl, an einigen Tagen fröhlich mitzupfeifen, an anderen aber das Radio zertrümmern zu wollen. Pauschale Regeln lassen sich angesichts dessen schwer aufstellen.
Einzig taugliches Indiz ist und bleibt wohl die Qualität der Leistung, und die kann man beobachten. Zeichnet sich ab, dass Hausaufgaben und Prüfungen grundsätzlich schlechter ausfallen, wenn sie bei absoluter Stille oder aber ohrenbetäubendem Radau vorbereitet werden, hat man ja bereits eine Entscheidungshilfe.
Text: Claudia Eichhorn