Verwöhnen oder Erziehen – geht vielleicht sogar beides?

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Verwöhnen oder Erziehen – geht vielleicht sogar beides?

Alle Eltern wollen das Beste für ihr Kind. Es soll nichts entbehren oder vermissen, gehorchen und gewisse Werte anerkennen allerdings auch. Am Anfang fühlt es sich noch ganz überschaubar an, doch früher oder später tappen fast alle Erziehungsberechtigten in die gleichen Fallen. Verwöhnt man sein Kind zu sehr oder zuwenig? Erzieht man zu streng oder zu lax? Wie golden ist der Mittelweg eigentlich?

Wir brauchen einen Erziehungsstil

An dem Projekt «Kindererziehung» sind in den allermeisten Fällen ja mehrere Personen beteiligt. Eltern, Grosseltern, Onkel und Tanten – alle tragen zum Gedeihen des Nachwuchses bei. Zumindest haben sie die besten Absichten. Unerlässlich ist es hierbei, sich schon frühzeitig und gemeinsam auf einen von allen akzeptierten Erziehungsstil zu einigen und vor allem – diesem auch treu zu bleiben. Wenn überall im familiären Umfeld die gleichen Regeln gelten ergibt sich daraus fürs Kind ein stabiles Gerüst, welches ihm Halt gibt und zudem Stabilität vermittelt. Innerhalb eines solchen fällt es viel leichter, konstante Erziehungsmassnahmen zu akzeptieren, ob diese dann besonders streng oder leger empfunden werden spielt eine eher untergeordnete Rolle.

Alles im gesunden Mass

Manche Eltern glauben ja, wenn sie stets und ständig Verbote und Reglementierungen aussprechen leisten sie besonders viel Erziehungsarbeit. Dabei geht in diesem Falle Qualität vor Quantität. Schon Kindergartenkinder hinterfragen nämlich die Entscheidungen ihrer Eltern – wenn auch oft nur im Stillen. Wen wird es da also verwundern, wenn aus kindlicher Sicht nicht nachvollziehbare Anweisungen und ähnliches schlicht ignoriert werden. Kinderlogik funktioniert eben so – was ich nicht verstehe, mache ich erst mal nicht. Das soll nun bei weitem nicht heissen, dass jedes elterliche «Nein» erklärt werden muss – es ist ein Lernprozess, die Entscheidungen der Eltern undiskutiert hinzunehmen. Der funktioniert allerdings nur, wenn das Kinderhirn immer wieder erfährt: Diese Entscheidungen fallen zu meinem Wohl und nicht aus Schikane. Ein weiterer Lernprozess. Es ist also ratsam, Verbote und Anordnungen sparsam und verhältnismässig zu dosieren. Damit auch die Kleinen erkennen, dass bestimmte Handlungen bestimmte Konsequenzen haben, immer wieder.

Tut dem Kind was Gutes!

Glücklicherweise besteht eine Kindheit ja nicht nur aus für beide Seiten anstrengenden Erziehungserfahrungen. Gelegentlich kann man seiner Liebe gar nicht anders Ausdruck verleihen – man muss sein Kind einfach mal verwöhnen. Wie auch schon bei interfamiliären Spielregeln liegt der Schwerpunkt hier auf der Definition. Ein Übermass an Ausser-der-Reihe-Geschenken, sich häufende Süssigkeiten, das Ausnahmsweise-Nachgeben, das langsam doch zur Regel wird, immer öfter gestatteter Fernsehkonsum – gefährliche Verwöhnaktionen haben viele Gesichter. Dabei ist Verwöhnen an sich ja gar nichts Schlimmes – es durchbricht genussvoll den auch für Kinder anstrengenden Alltag, tröstet über manchen Kummer hinweg oder macht aus einer Kleinigkeit etwas ganz besonderes. Wie so oft macht hier die Dosis das Gift – und nicht jedes Kind fühlt sich in gleicher Art und Weise verwöhnt. Es lohnt sich herauszufinden, welche Dinge und Momente wirklich grosses Kinderglück auslösen.

Grosseltern verwöhnen, Eltern haben die Verantwortung

Selbst wenn man für sich und sein(e) Kind(er) einen probaten Weg zwischen Zuckerbrot und Peitsche gefunden hat, drohen immer noch Irritationen von aussen, die schnell alles über den Haufen werfen. Auch wenn es für Grosseltern nichts Schöneres gibt als die lieben Kleinen nach Strich und Faden zu verwöhnen – die Eltern baden jeden Einbruch in die Erziehungssphäre noch lange danach aus. Daher sind sie es auch, die notfalls eingreifen dürfen, ohne dass Oma und Opa eingeschnappt sind.
 
Text: Claudia Eichhorn