Wenn die Hand «ausrutscht»
Wer Kinder hat weiss, die Nerven zu behalten und liebevoll Erziehen ist anspruchsvoll. Für die meisten Eltern kommen körperliche Strafen nicht in Frage und doch passiert es; die Hand «rutscht aus»!
Wer Kinder hat weiss, die Nerven zu behalten und liebevoll Erziehen ist anspruchsvoll. Für die meisten Eltern kommen körperliche Strafen nicht in Frage und doch passiert es; die Hand «rutscht aus»!
Damit es zu solchen Situationen erst gar nicht oder wenigstens nur sehr selten kommt, kann man etwas tun:
- Mit seinem Kind nach draußen gehen, wo es sich austoben kann.
- Etwas ganz Unerwartetes tun und - wenn die Wut es irgendwie zulässt - das Kind auf den Schoß nehmen und ihm etwas vorlesen.
- Loben statt nörgeln: Kinder schaffen vieles nicht auf Anhieb. Es ist wichtig, Kinder in ihren Absichten und ihrem Handeln zu bestätigen. Konzentrieren Sie sich darauf, was ein Kind gut macht und rücken Sie nicht in den Vordergrund, was es schlecht macht. Loben Sie das Kind für seine Mithilfe, auch wenn die Kartoffeln nicht perfekt geschält sind.
- Ansprechen ohne Vorwurf: Es gibt tausend Gründe, sich über das Verhalten der Kinder zu ärgern. Sprechen Sie das Verhalten (nicht das Kind) und Ihren Ärger darüber an. Sätze mit «Du bist ...», «Du machst ...», «Wie oft soll ich dir noch sagen, ...» usw. sind in Konfliktsituationen oft mit schweren Vorwürfen verbunden. Sie verurteilen und stellen einen Zwang dar. Sätze, wie «Ich fühle mich ...», «Es erzürnt mich, ...» usw., zeigen den Kindern, dass auch Eltern Menschen mit Gefühlen sind – und dass wir zur Lösung des Problems auf die Hilfe der Kinder angewiesen sind.
- Alternativen aufzeigen: Kinder sollen nicht nur wissen, was Eltern nicht beliebt. Die Kritik am Verhalten eines Kindes darf sich nicht auf den negativen Aspekt beschränken. Wichtig ist, ihnen die positiven, erwünschten Alternativen aufzuzeigen.
- Konsequenzen statt Strafen: Strafen mögen störendes Verhalten kurzfristig beenden, sie bieten den Kindern aber keine Möglichkeit mehr für erwünschtes Verhalten. Strafen werden als Erniedrigung empfunden und verhindern die Auseinandersetzung mit dem Problem. Konsequenzen stehen in direktem Zusammenhang mit dem Verhalten des Kindes. Sie sind natürliche Folgen eines Handelns oder Nichthandelns und sollen insofern Einsicht wecken. Sie beruhen auf Abmachungen und können in «Wenn–dann»–Sätzen formuliert sein. Aber die Konsequenzen müssen vor der Grenzüberschreitung klar sein. Das Kind hat die Freiheit, die Abmachungen (und damit auch die Konsequenzen) zu respektieren oder nicht.
«Freie und unautoritäre Erziehung bedeutet nicht, dass man die Kinder sich selbst überlässt, dass sie tun und lassen dürfen, was sie wollen. Es bedeutet nicht, dass sie ohne Normen aufwachsen sollen, was sie selber übrigens gar nicht wünschen. (...) Ganz gewiss sollen Kinder Achtung vor ihren Eltern haben, aber ganz gewiss sollen auch Eltern Achtung vor ihren Kindern haben, und niemals dürfen sie ihre natürliche Überlegenheit missbrauchen. Liebevolle Achtung voreinander, das möchte man allen Eltern und Kindern wünschen.»
(Astrid Lindgren)