Wie Kinder Sprache lernen – Verschiedene Theorien
Plötzlich passiert es: Die lieben Kleinen sprechen. Zunächst nur einzelne Worte, dann Wortgruppen und schliesslich in ganzen Sätzen. Diese Entwicklung trifft einen ganz unerwartet – niemand hat es sie gelehrt! Und doch beherrschen Kinder mit ein bis zwei Jahren die Grundlagen unserer Sprache. Darüber, wie dieses kleine Wunder von statten geht, gibt es verschiedene Theorien.
Kinder ahmen Sprache nach
Zum einen könnte man sagen, Kinder lernen Sprache, indem sie sie nachahmen. Dabei erfahren sie durch Lob und Zustimmung, welche Worte oder Äusserungen korrekt und erwünscht sind. Diese verfestigen sich dann im Sprachgebrauch des Kindes. Dabei lernt das Kind also Wörter und Sätze der Sprache, indem es sie sich von anderen abschaut.
Kinder lernen die Struktur der Sprache
Ein anderer Ansatz geht davon aus, dass Sprache viel zu komplex ist, als dass sie durch Nachahmung erlernt werden könnte. Was dagegen erlernt werden kann, sind der Wortschatz und die Strukturen der Muttersprache. Indem es diese beiden Systeme kombiniert, lernt das Kind beliebig Sätze zu bilden.
Sprache lernen im Kontakt mit anderen
Diese beiden Ansätze lassen den sozialen Aspekt jedoch aussen vor. Unbestreitbar ist jedoch, dass der Mensch ein soziales Wesen ist. Daher liegt die Vermutung nahe, dass auch Sprache im Umgang mit anderen Menschen erworben wird. Dabei sollte der Umgang dem Niveau des Kindes angeglichen werden. Mütter machen das fast automatisch, indem sie mit ihren Kindern in der Baby- bzw. Kindersprache reden. Je weiter die Entwicklung des Kindes fortschreitet, desto komplexer werden die Sätze und Äusserungen.
Sprache lernen ist geistige Höchstleistung
Die Denkleistungen, die ein Kind beim Spracherwerb vollbringen muss, sind enorm. Dabei steht die Erfahrung der Umwelt am Anfang – und am Ende soll die Darstellung dieser Umwelt durch Sprache stehen. Sprache kann als Ersatz für die Umwelt gesehen werden: Man kann zum Beispiel über Bälle reden, obwohl keine Bälle in der Nähe sind. Das verlangt von dem Kind jedoch, dass es eine Vorstellung entwickelt, was zum Beispiel ein Ball oder eine Blume ist, und dieser Vorstellung den passenden Namen gibt (nämlich den Ball auch Ball nennt und nicht Blume).
Fazit
Welcher Ansatz auch immer der Treffende sein mag, so ist es doch unbestritten, dass das Erlernen der Muttersprache doch immer irgendwie das Wunder bleibt, als das es oftmals erscheint. Auch, oder gerade weil es zum Teil erklärt werden kann.
Text: Daniel D. Eppe