
Gerade im ersten Lebensjahr hat Babys kleiner Kopf jede Menge damit zu tun, die von aussen auf ihn einstürmenden Eindrücke zu verarbeiten. Fühlen, Sehen, Hören und Tasten werden täglich benutzt um die Umwelt sprichwörtlich zu begreifen. Erste Sing- und Fingerspiele, Abzählreime, rhythmisches Klatschen, aber auch ausgiebiges Streicheln sensibilisieren alle Sinne und regen das Gehirn an, das Erlebte zu verarbeiten. Anfangs wird das Kind sicher eher passiv an allen Aktivitäten teilnehmen, doch schon bald kann es sich einbringen und wird von sich aus das spielerische Miteinander fordern. Später locken Fühlbücher mit unterschiedlichen Materialien, Rasseln und Spiegelfolien immer wieder aufs Neue. Nach dem ersten Lebensjahr läuft alles schon zielgerichteter ab – da wird ausdauernd gestapelt, gerasselt und geräumt – bis es endlich so aussieht oder klingt wie man es haben will. «ICH kann es tun, und ICH bestimme wie..» ist eine der wichtigsten Erfahrungen, die die Kleinen mit Bausteinen, Klanghölzern oder Mamas Plastikdosen machen.
Persönliche Mobilität ist eines der ganz grossen Ziele innerhalb der kindlichen Entwicklung. Es erfordert Mut, sich hochzuziehen und sich hinzustellen, und noch mehr davon, wenn es ums Loslaufen geht. Spezielle Lauflernwagen mit einem umkippsicheren Schwerpunkt sind ideale Begleiter in dieser Zeit, sie sorgen für das nötige Sicherheitsgefühl und erlauben es zudem, Dinge ein- und auszuladen. Etwas zu transportieren und dabei noch das Gehen zu lernen – besser geht es nicht. Spielzeuge auf Rollen, die sich hinterherziehen oder voranschieben lassen, fördern die Koordination von Augen, Händen und Füssen und schulen zudem den Gleichgewichtssinn. Rutschfahrzeuge und Dreiräder motivieren wieder und wieder, die eigenen Kräfte zu ermessen und sorgen für erste räumliche Erfahrungen ausserhalb der Wohnung.
Vorschulkinder können bereits eine ganze Menge – sie sprechen, teilen ihre Befindlichkeiten und Bedürfnisse mit und nehmen ihre Umwelt ganz bewusst wahr. Es ist kein Wunder, dass sie sich in dieser Zeit besonders für Details und Zusammenhänge interessieren. Rollenspiele werden benutzt, um selbst Erlebtes zu verarbeiten – Handpuppen kommen da wie gerufen. Aber auch Steckspiele, grossteilige Puzzles, Kugelbahnen oder Schiebelabyrinthe stacheln den kindlichen Ehrgeiz an. Manche Dinge funktionieren nicht beim ersten Mal, und das Kind lernt spielerisch sein Ziel dennoch zu verfolgen. Ausdauer erlernt sich schwer, aber jetzt ist genau die richtige Zeit dafür. Das Erfolgserlebnis, eine Puppe mühsam umgezogen zu haben – das «echte» Gefühl beim Arzt- oder Kaufmannsladenspiel helfen den gar nicht mehr so Kleinen, ihre Umwelt besser zu verstehen und stärken das Selbstbewusstsein. Auch das ausführliche Vorlesen trainiert die Auffassungsgabe – fast alle Eltern sind überrascht, wenn ihre Kinder sie beim (unerlaubten!) Kürzen einer bereits bekannten Geschichte erwischen.
Spätestens in der Schule kommen die meisten Kinder auf den Geschmack an Spielen, die sie richtig fordern. Ob Quiz- und Ratespiel, Denksportaufgaben, Zauberkasten oder strategisches Brettspiel – es darf geknobelt werden. Natürlich immer noch auf einem zu bewältigenden Niveau – aber nichts ist jetzt so verpönt wie unkomplizierte Regeln oder ein allzu vorhersehbarer Spielverlauf. Besonders wichtig ist es nun, sorgfältig auszuwählen. Nicht jedes «Spiel des Jahres» wird zwangsläufig alle Familienmitglieder begeistern – und das sollte es. Mit den Eltern und/oder Freunden zu spielen fördert ganz nebenbei nämlich auch die Sozialkompetenz – ja, auch Verlieren und Fairness wollen gelernt sein. Das schönste Spiel macht keine Freude, wenn man damit alleingelassen wird – egal in welchem Alter. Miteinander Spass haben hingegen macht wirklich schlau.
Text: Claudia Eichhorn