

Ihr 15-jähriger Sprössling sträubt sich gegen die Aussicht, mit den Eltern ein verlängertes Wochenende über zu verreisen? Er möchte lieber erstmals alleine zuhause bleiben, denn schliesslich ist man – laut eigenen Argumenten – mit 15 Jahren kein Kleinkind mehr. Und: «Ausserdem ist niemandem gedient, wenn ich mit meiner schlechten Laune der ganzen Familie die freien Tage versaue»! Obwohl dies natürlich der Tatsache entspricht, haben doch viele Eltern Bauchweh bei dem Gedanken, einen Teenager erstmals alleine zuhause zu lassen. Diese Situation ist schliesslich für alle Beteiligten noch neu und unbekannt.
Versuchen Sie, sich in dieser Situation in den Jugendlichen hineinzuversetzen und überlegen Sie, wie es Ihnen selbst in diesem Alter ergangen ist. Haben Sie sich mit dem Grundgedanken des «alleine zuhause Bleibens» etwas angefreundet, schlagen Sie Ihrem Kind doch ein Experiment vor. Dieses funktioniert wie folgt: Ganz egal, aus welchen Gründen der Jugendliche zuhause bleiben möchte, es ist nie verkehrt, im Voraus Abmachungen festzuhalten. Am besten schriftlich und mit Unterschrift, das symbolisiert dem Nachwuchs die Wichtigkeit der Angelegenheit und auch das in ihn gesetzte Vertrauen. Auch sollte klar gemacht werden, dass ein Bruch dieses Vertrauens weitreichende Folgen haben könnte.
Wenn sich die Eltern noch unsicher sind, ob das eigene Kind schon Eigenverantwortung übernehmen kann, empfiehlt es sich, folgende Punkte zu überlegen:
Haben sich die Eltern dazu entschlossen, dem Kind ihr Vertrauen zu schenken, sollte auch der Tagesablauf während der Abwesenheit der Eltern geklärt, sowie Regeln und Grenzen besprochen werden. Familienangehörige, Nachbarn oder Freunde können hier im Bedarfsfall als Kontakt- oder Kontrollpersonen dienen. Auch sollten fixe Zeiten vereinbart werden, an welchen sich der Jugendliche melden sollte. Wenn aus Sicht der Eltern keine gravierenden Gründe dagegen sprechen, ist das Experiment «alleine zuhause» durchaus begrüssenswert, denn das Jugendalter ist schliesslich dazu da, sich vom Elternhaus zu lösen. Dies gelingt noch immer mit realen Aufgaben am besten, selbständige Erfahrungen sind schliesslich das Um und Auf für den Einstieg in die Welt der Erwachsenen. Und Ihr Nachwuchs wäre nicht der Erste, der die Erfahrung machen würde, dass das «alleine zuhause bleiben» doch nicht immer so «cool» ist wie gedacht.
Text: Sabine Trach