
Komatrinken gehört für immer mehr Kinder und Jugendliche zum wöchentlichen Partygeschehen. Mittlerweile sind es tausende Teenager, die Alkohol derart exzessive konsumieren, dass sie sich nach wenigen Stunden mit einer akuten Alkoholvergiftung im Krankenhaus wiederfinden. Über lange Zeit waren es hauptsächlich die Jungs, die sich in den extremen Alkoholrausch tranken. In den vergangenen zwei Jahren haben die Zahlen der stationären Krankenhausaufenthalte allerdings bei den Mädchen deutlich stärker zugenommen.
Erschreckend ist, dass der durchschnittliche Jugendliche heute bereits vor seinem 14. Geburtstag seinen ersten Vollrausch erlebt. Zwar wurde auch früher bereits in jungen Jahren durchaus viel Alkohol getrunken, allerdings ging es damals eher darum, sich durch den Alkohol erwachsen zu fühlen. Das Komatrinken, auch «Kampftrinken» genannt, ist mehr ein Weg für junge Menschen, die «Erwachsenenwelt» mit all ihren Problemen hinter sich zu lassen. Zudem liegt es schlichtweg im Trend, wenn man im Freundeskreis besonders tief ins Glas schaut.
Das Umfeld bestimmt in der Regel die Lebensqualität junger Menschen. Dazu gehört in erster Linie das Elternhaus, das in vielen Fällen nicht frei von Belastungen ist. Oft gibt es Konflikte in der eigenen Familie, Eltern streiten oder trennen sich. Immer mehr Jugendliche kommen mit dem allgemeinen Leistungsdruck aus Schule und Alltag nicht zurecht und finden auch in der Familie keinen Ausgleich mehr. Die Industrie hat sicher auch ihren Teil zu dieser Entwicklung beigetragen, beispielsweise durch die Einführung der so genannten Alcopops vor einigen Jahren, die gezielt für junge Konsumenten hergestellt wurden.
Oftmals bleibt es nicht beim Alkohol allein. Mehr oder weniger Hochprozentiges wird immer öfter auch mit weichen Drogen wie beispielsweise Cannabis, kombiniert. Der Alkohol soll nun die Wirkung der Droge noch weiter verstärken. Auffällig ist, dass immer mehr Mädchen auf einen solchen Rausch aus sind. Nach Expertenmeinung verschwinden in der modernen Welt die klaren Grenzen der Rollenverteilung zwischen Mann und Frau immer mehr – auch beim extremen Genuss von Alkohol und Drogen. Mädchen nehmen beim Konsum also regelrecht männliche Verhaltensmuster an. Bedenklich ist ausserdem, dass Mädchen aufgrund eines anderen Stoffwechsels und in der Regel auch wegen ihres geringeren Körpergewichts deutlich schneller betrunken werden als Jungen, sie also bei der gleichen Menge Alkohol und Drogen auch schneller ein Fall für den Rettungswagen werden.
Vor allem, wenn Kinder noch keine 16 Jahre alt sind, haben die Eltern eine erhöhte Verantwortung für das Trinkverhalten ihrer Kinder. Wenn der Nachwuchs betrunken nachhause kommt, ist jede Diskussion zwecklos. Eine Runde Schlaf hilft nun am ehesten – Eltern sollten diesen jedoch überwachen, weil nie ganz klar ist, ob sich der Nachwuchs eventuell im Schlaf übergibt oder sonstige Probleme auftauchen. Im nüchternen Zustand hilft nur ein klärendes Gespräch ohne den Charakter einer «Standpauke». Eltern sollten versuchen zu verstehen, warum ihr Kind trinkt. Argumente gegen das Trinken werden sicher nur teilweise beim Teenager fruchten, aber für gewöhnlich lassen sich Kompromisslösungen finden.
Komatrinken ist ein Problem, das schon seit vielen Jahren existiert. Allerdings sind die Fälle, in denen Jugendliche und zunehmend Mädchen sich bis zur akuten Alkoholvergiftung getrunken haben, immer häufiger geworden. Über die Ursachen lässt sich streiten, Hilfe sollte vorrangig aus dem Elternhaus kommen.
Text: Daniel D. Eppe