Selbstverletzung - Wenn sich Jugendliche ritzenlesenswert!

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Selbstverletzung - Wenn sich Jugendliche ritzen

Sie schneiden sich mit einem Messer oder einer Rasierklinge selbst in die Haut, schlagen sich selbst oder treten fest gegen Wände. «Selbstverletzendes Verhalten» ist heutzutage so weit verbreitet wie nie zuvor. Die Dunkelziffer kennt niemand, aber Experten gehen davon aus, dass rund 20 % der Jugendlichen ab dem Pubertätsalter davon betroffen sind. Das Schneiden oder Ritzen ist dabei die am häufigsten durchgeführte Form der Selbstverletzung. Für viele klingt solch ein Verhalten womöglich völlig absonderlich und tun es vielleicht als vorübergehende Laune des Betroffenen ab. Doch ist es wirklich nur ein harmloser Tick oder doch ein ernstzunehmendes Krankheitssyndrom?

Wie gefährlich ist Selbstverletzung?

Ritzen oder selbstverletzendes Verhalten stellt vor allem Eltern, aber auch Lehrer oder Ärzte vor ein Rätsel. Mediziner haben festgestellt, dass sie sich zu einer der stärksten Süchte entwickeln kann, die in der Medizin bekannt sind. Traurige Tatsache ist auch, dass Eltern dieses selbstzerstörerische und oftmals gar nicht ungefährliche Verhalten ihrer Kindern meistens gar nicht gleich bemerken, weil oft an Stellen geritzt wird, die von Kleidung bedeckt sind. Da man sich jedoch mitunter ziemlich schlimm verletzen kann und auch meistens Narben zurückbleiben, brauchen Betroffene dringend Hilfe.

Warum ritzen sich Jugendliche?

Menschen, die sich selbst verletzen, sind oft schwer einer einzigen Kategorie zuzuordnen. Viele kommen aus schwierigen familiären Verhältnissen, in denen seelische oder psychische Gewalt, Vernachlässigung oder sexuelle Übergriffe an der Tagesordnung stehen, andere haben jedoch ein völlig stabiles Zuhause. Doch wenn auch die Betroffenen aus unterschiedlichen Verhältnissen kommen, haben sie laut Experten doch vieles gemeinsam: Sie fühlen sich einsam, hilflos, haben Probleme, über Gefühle zu sprechen, haben selten Bezug zu anderen und stecken voller Ängste, haben ein geringes Selbstbewusstsein oder fühlen sich als ständige Versager. Sie schaffen es selten, ihre Probleme in Worte zu fassen und sich bei einer Vertrauensperson auszusprechen. Der innere Druck wird oft unerträglich gross. Und dann entdecken sie etwas: Wenn sie sich körperlich verletzen, verschafft das ihnen vorübergehend eine Entlastung vom inneren Druck. Es hilft ihnen kurzfristig, die innerliche Anspannung und Stress loszuwerden und kann sogar Euphorie erzeugen, da beim Ritzen Endorphine freigesetzt werden. Doch Probleme werden damit nicht gelöst!

Die Verzweiflung der Eltern

Bekommen Eltern erst einmal mit, womit ihr Kind gerade zu kämpfen hat, sind sie völlig ratlos. Die Frage: «Warum macht unser Kind das»? ist vorprogrammiert. Doch noch wichtiger ist die Frage: «Wie können wir unserem Kind helfen»? Um zu verdeutlichen, was in einem, der sich selbst verletzt, vor sich geht, dient ein kleiner Vergleich: Jeder von uns hat schon einmal eine Spritze beim Arzt bekommen. Vielleicht hat man sich währenddessen an einer anderen Stelle gezwickt oder mit dem Fingernagel in den Arm gebohrt. Ähnliches machen Selbstverletzer. Das Schneiden oder Ritzen lenkt vom innerlichen Schmerz ab und verschafft ihnen ein Gefühl der Erleichterung. Doch wie können Angehörige helfen?

Hilfe von Seiten der Eltern und Angehörigen

Grundsätzlich braucht jeder Betroffene dringend jemanden, bei dem er sich aussprechen kann und ihm gut zuhört. Als Eltern in Panik zu geraten und dem Kind zu sagen, es solle sofort damit aufhören, wird eher dazu führen, dass es sich noch mehr zurückzieht. Hier ist Geduld von Seiten der Angehörigen gefragt. Sich bei einer Vertrauensperson auszusprechen oder seine Sorgen aufzuschreiben und so den Schmerz in Worte zu fassen, kann wahre Wunder bei den jugendlichen «Ritzern» wirken. Oftmals lässt es sich allerdings trotzdem nicht vermeiden, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Auch wenn Betroffene keine Selbstmordabsichten hegen, kann Selbstverletzung mitunter doch zu ernstzunehmenden Verletzungen führen. Bleibt dieses Problem unbehandelt, kann es passieren, dass langfristig nicht nur sichtbare Narben zurückbleiben.
 
Text: Tina Voss