Wales´ wunderschöne Landschaft und ihre Geheimnisse kann man auf verschiedene Arten entdecken. Möchte man es mit dem eigenen Wagen erkunden, so kommt man mit der Fähre z.B. von Calais nach Dover oder von Zeebrugge nach Hull auf die britische Insel. Recht bequem ist natürlich auch die Möglichkeit, nach Cardiff, der Hauptstadt von Wales, Manchester, Bristol, Liverpool oder London zu fliegen und einen Wagen zu mieten. Aber Achtung, es herrscht Linksverkehr! Ausserdem muss man sich auf kurvenreiche Nebenstrassen als auch auf sehr enge Strassenstellen gefasst machen. Mit Kreisverkehren haben die Waliser übrigens auch nicht eben gespart. Trotzdem sollte man die Nebenstrassen nicht meiden: Gerade sie führen einen an die schönsten Plätze und Stätten der walisischen Landschaft.
Wales – der übrigens kleinste Landesteil Grossbritanniens – wird durchzogen vom Kambrischen Gebirge, dessen höchster Berg «Mount Snowdon» (auf Walisisch: Yr Wyddfa) allerdings nur 1085 Meter hoch ist, jedoch bereits von dem berühmten Bergsteiger Sir Edmund Hillary und seinem Team zum Training für seine darauf folgende Mt. Everest-Besteigung 1953 genutzt wurde. Noch heute proben dort britische Bergsteiger für den Aufstieg auf den Himalaja.
Neben dem Snowdonia Nationalpark im Nordwesten von Wales mit seiner spektakulären Landschaft nennt das walisische Land zwei weitere Nationalparks sein Eigen: Den Brecon Beacons-Nationalpark u.a. mit 16 Mountainbike-Strecken und den Pembrokeshire-Coast-Nationalpark, der direkt an der Küste liegend u.a. einen wunderschönen Blick aufs Meer bietet. Die Nationalparks geben Naturliebhabern mit ihren unzähligen Wanderpfaden umfangreiche Gelegenheiten zum Wandern.
Äusserst sehenswert machen Wales zudem seine unzähligen, überaus romantisch anmutenden mittelalterlichen Burgen und Schlösser. Sie schmiegen sich reizvoll an die saftig grünen, walisischen Hügel und sind eng verwoben mit der Geschichte des Königs Artus. Caerphilly z.B. ist nach Windsor Castle die grösste Burganlage Englands. Eine Ausstellung im an der nördlichen Küste von Wales gelegenen Harlech Castle berichtet z.B. von einer walisischen Revolution Anfang des 15. Jahrhunderts, bei der die Burg als Hauptquartier diente. Für die ausgiebige Besichtigung des 1283 von Edward I. erbauten Caernafon Castle sollte man ebenso durchaus einige Stunden einrechnen. Dieses bemerkenswerte Schloss diente früher nicht nur als Festung, sondern auch als königliche Residenz und Regierungssitz. 1969 fand hier die feierliche Investitur (Einführung in den Adel) des heutigen Prinz Charles (Prince of Wales) statt.
Neben Hunderten von Burgen und Schlösser können auch Neolithische Gräber, das sind Grabkammern aus der Zeit 4000 bis 2300 vor Christi Geburt, z.B. in Pentre Ifan – östlich von Fishguard – oder auf der Halbinsel The Gower die Grabkammern Parc le Breos und King Arthur´s Stone besichtigt werden.
Menhire aus der Bronzezeit (2300-800 vor Christi Geburt) – das sind aufrecht stehende Steine mit ebenso kultischer Bedeutung – findet man zum Beispiel südlich von Holyhead auf Holy Island. Aus der Römerzeit (erste vier Jahrhunderte nach Christi Geburt) sind u.a. in der Ortschaft Caerleon noch Reste eines Amphitheaters, Legionärsbaracken und die Roman Fortress Baths erhalten.
Neben der vielfältigen Möglichkeiten zu wandern oder die wunderschöne Landschaft, Schlösser und Burgen von Wales mit den Fahrrädern zu erkunden, bieten die Waliser zudem sportliche Aktivitäten wie Rafting, Kanufahren und Höhlenwanderungen an. Sogar Rundflüge werden angeboten.
Aus Wales stammen unzählige Weltberühmtheiten wie in etwa Catherine Zeta-Jones, Timothy Dalton, Anthony Hopkins, Tom Jones und Richard Burton. Die Waliser versuchen sich übrigens seit jeher von England abzugrenzen - zu erkennen u.a. an ihrer Sprache, dem Walisisch, das von der Bevölkerung teilweise noch gesprochen und anhand von zweisprachigen Hinweis- und Ortsschildern gelebt wird. Auch im Verwaltungs- und Bildungswesen wird Walisisch benutzt, wurde es doch 1993 mit der englischen Sprache formal gleichgesetzt.
Reisende sollten Wales am besten in den Monaten Juni, Juli und August besuchen. Wales ist aufgrund seiner Meeresnähe ziemlich regenanfällig, allerdings vom warmen Golfstrom klimatisch begünstigt. In den besagten Monaten beträgt die maximale Lufttemperatur zwischen 18 und 20 Grad Celsius, die ideale Wander-Temperatur.
Wer nach ausgiebigen Erkundungen der walisischen Natur auch einmal lebendiges, britisches Stadtleben geniessen möchte, kann einen Abstecher in Wales´ Hauptstadt Cardiff oder der reizvoll am Meer liegenden Stadt Swansea machen, hat aber auch nicht weit nach London, Manchester, Liverpool oder gar ins irische Dublin. Diese Städte laden zu vergnüglichem Shopping in den zahlreichen Geschäften und Läden sowie genüsslichem Sightseeing ein. Und für die Ruhepausen: Die walisischen, englischen wie irischen Pubs sind ein Erlebnis für sich!
Text: Manou Rade