
Die imposante Granitmasse des Gotthards stellte für lange Zeit ein unüberwindbares Hindernis dar. Selbst die alten Römer, die vor kaum einer Anforderung zurückschreckten, wichen diesem «Riesen». Die für lange Zeit als unüberwindbar gesehene Schöllenschlucht zwischen Göschenen und Andermatt wurde erst um 1200 durch den Bau der Teufelsbrücke überquerbar. Mit der ersten Passstrasse, die 1830 eröffnet wurde, begann der regelmässige Verkehr über den St. Gotthard Pass. Noch heute kann man den Pass stilecht mit einer echten fünfspännigen Postkutsche überqueren und den Hauch der Vergangenheit spüren.
Eine Passstrasse allein reichte bald nicht mehr aus. Im Zeitalter, als die Eisenbahn eine immer wichtigere Rolle spielte, kam auch der St. Gotthard Pass nicht mehr ohne eigene Bahnstrecke aus. Der erste Gotthard-Eisenbahntunnel, der eine Länge von 15 Kilometern hatte, wurde schon 1882 eröffnet. Etwa 100 Jahre später wurde dann der erste Autobahntunnel eröffnet, um die mittlerweile überlastete Passstrasse zu entlasten. Um auch den Eisenbahntunnel zu entlasten und moderne Züge reisen lassen zu können, erbaut man derzeit einen weiteren Eisenbahntunnel, der im Jahr 2015 fertig gestellt und eröffnet werden soll.
Besondere Beachtung fand das Gotthard-Massiv während des Zweiten Weltkrieges. In dieser Zeit wurde es konsequent für strategische Massnahmen eingesetzt und entsprechende Festungen errichtet. Eine der Festungen, tief im Berg gelegen, ist heute ein Erlebnis der besonderen Art. Abgeschottet von jeglichem Tageslicht findet sich im Bergmassiv das Hotel Claustra, das als hochmodernes Event- und Seminarhotel gilt.
Historische Eindrücke über die Entwicklung des St. Gotthard Passes werden eindrucksvoll im Gotthardmuseum ausgestellt. Das Museum, welches sich auf in 2109 Metern auf Passhöhe befindet, erklärt neben den baulichen Entwicklungen auch die Zunahmen und Veränderung des Verkehrs rund um die Passstrasse und den Eisenbahntunnel.
Der St. Gotthard Pass ist legendär. Jeder, der schon einmal durch die Schweiz von Nord- nach Südeuropa oder umgekehrt gereist ist, hat ihn kennen gelernt. Oftmals staut sich hier der Verkehr und verlangt dem Autofahrer einiges ab. Die Zeit, in der die Räder stehen, sollte man allerdings nutzen, um sich dem Gesamtkonzept des Passes zu widmen. Führt man sich einmal vor Augen, welcher Aufwand für diese Einrichtung betrieben werden musste und erfährt durch einen Museumsbesuch, wie viele Menschen hier ihr Leben lassen mussten, wird man die Situation völlig anders sehen. Ohne den St. Gotthard Pass wäre ein Reisen per Auto oder Bahn von Nord nach Süd weitaus schwieriger und vor allem langwieriger.
Text: Daniel D. Eppe