
Von wegen Wintersport kann nur auf Pisten stattfinden: Die 320 Quadratkilometer grosse Fläche des Neusiedlersees bietet in der kalten Jahreszeit nicht nur Eisläufern, sondern auch einer ganzen Menge alternativer Eissportler Platz. Passt der Wind – und davon kann man im österreichischen Burgenland nahezu immer ausgehen – fegen Profis mit ihren Eisseglern über die zugefrorene Fläche. Der Weltrekord liegt hier bei über 200 Stundenkilometern, also nichts für schwache Nerven. Deutlich langsamer, aber trotzdem für den gewissen Kick geeignet, ist das sogenannte «Blow Kart» – eine Weiterentwicklung des Eis-Seglers. Flott geht es auch bei den Kite-Sufern zu: Der Wind stellt gemeinsam mit dem Drachen den Motor dar, und erlaubt je nach Erfahrung teils atemberaubende Stunts.
Wer es lieber etwas ruhiger angehen möchte, läuft Schlittschuh oder vergnügt sich auf der mitunter ganz schön holprigen Eisfläche bei einer Partie Hockey. Nicht selten entdeckt man ein mit Spikes ausgerüstetes Fahrrad oder wird von einer sportlichen Jungmutti, die mit ihrem Kinderwagen über die scheinbar endlose Eisfläche gleitet, überholt.
Laut burgenländischem Tourismus werden auch Eis-Wanderungen immer beliebter. Als Geheimtipp gilt ein Spaziergang von der Mole West in Neusiedl nach Weiden und wieder zurück, um sich bei einer zünftigen Jause zu stärken. Ein weiteres Highlight ist die Wanderung von Podersdorf hinüber zur Bauminsel. Selbstverständlich ist hier gutes Schuhwerk Grundvoraussetzung für einen gelungenen Ausflug.
Damit überhaupt stabiles Eis – auf dem man seine Lieblingssportart ausübt – entstehen kann, muss es mindestens drei Nächte hintereinander minus 10 Grad Celsius haben.
Grundsätzlich kontrollieren die jeweiligen Eislaufvereine Natureisflächen auf ihre Tragfähigkeit. Nur offiziell freigegebene Flächen sind auch wirklich sicher. Obwohl der Neusiedler See nicht tiefer als zwei Meter ist, kann das eiskalte Wasser für einen eingebrochenen Menschen zur tödlichen Gefahr werden. Laut Experten stellen sich bereits nach wenigen Minuten Bewegungsunfähigkeit und starke Schmerzen ein. Retter müssen umgehend über Notruf 122 die Feuerwehr verständigen, da diese über spezielle Bergungsgeräte und geschultes Personal verfügt.
Wer hingegen kein unnötiges Risiko eingeht und sich an die offizielle Freigabe hält, darf sich auf einen unbeschwerten Wintersporttag voll neuer Eindrücke freuen!
Text: Helge Trach