
Es müssen nicht immer teure Kunstobjekte und edle Unikate sein, die den Garten zieren – Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Entscheidend für die richtige Wirkung ist ein gutes Gefühl für Stil, Farbe, Form und Umfeld. Moderne Plastiken setzen ebenso Akzente wie selbst entwickelte, phantasievoll umgesetzte Gestaltungsideen. Im Fachhandel gibt es unzählige, sehr dekorative Gartenaccessoires, die die Bezeichnung «Kunst» durchaus verdienen, inwiefern Gartenzwerge und Co. dazugehören, mag jeder selbst entscheiden. Tatsächliche Gartenkunst ist wohl immer dann zu bewundern, wenn nicht-lebende Objekte die Ästhetik und den inspirierenden Charakter der grünenden Umgebung noch unterstreichen, eine Freude für die Sinne sind und einfach zum Garten und dem Besitzer passen. Ob vom Flohmarkt, aus der Galerie oder dem eigenen Hobbykeller ist am Ende gar nicht wichtig.
Natürlich ist das eigene Kunstempfinden wohl die oberste Entscheidungshilfe. Wer seinen Garten klar und übersichtlich gegliedert hat, schmückt diesen vielleicht mit schlichten, geometrischen Objekten in dezenten Farben. Elegant gruppierte Kugeln aus Metall oder glasierter Keramik bilden einen reizvollen Blickfang in Steingärten oder Staudenrabatten, runde oder eckige Säulen unterschiedlicher Stärken betonen die vertikale Wirkung von Gräsern oder Schilf. Kaskadenförmige Wasserläufe oder Fontänen am Gartenteich sehen nicht nur schön aus, sondern sorgen für beruhigendes Plätschern, ebenso wie Brunnen und Wasserspiele. Manch ein verborgener Winkel wirkt fast parkartig, wenn man darin eine moderne oder auch ganz klassische Plastik entdeckt. Windspiele, die in den Ästen alter Bäume hängen, fangen nicht nur den Blick ein, sondern betören auch noch das Ohr. Bei all der Auswahl sollte man sich jedoch für ein, höchstens zwei harmonierende Objekte entscheiden.
Es gibt sie – die Liebe auf den ersten Blick, besonders bei Kunstobjekten. Genau diese Marmorkugeln, genau so eine Sonnenuhr hat man sich schon immer gewünscht und weiss den idealen Platz dafür. Liebhaber der Antike müssen vielleicht einfach eine passende Büste irgendwo im Garten haben, Nostalgiker zahlen Höchstpreise für eine alte Schwengelpumpe – egal, ob sie funktioniert. Aber es steht natürlich jedem frei, sich selbst künstlerisch zu betätigen. Auch ein bunt lackiertes, ausgedientes Fahrrad – behängt mit Blumentöpfen – kann Gartenkunst sein, ebenso wie selbstgefertigte Dekofiguren aus Holz, Gips, Ton oder Metall. Sogar eine schlichte Beeteinfassung aus besonders schönen, ungewöhnlichen Steinen, ausgedienten Fliesen oder Kacheln kann künstlerischen Wert erlangen. Wichtig ist jedoch auch bei Eigenkreationen – weniger ist mehr. Ein bis zwei kunstvoll in Szene gesetzte Objekte wirken viel professioneller als ein zudekorierter Garten.
Manchmal hat man das grosse Glück und kann bereits Vorhandenes nutzen. Ein alter Brunnen, ein Stückchen Gartenmauer, ein knorriger Baumstumpf verdienen es vielleicht, zum Kunstobjekt gemacht zu werden. Kombiniert man Altes, Ursprüngliches mit modernen Formen und Materialien, ergeben sich reizvolle Kontraste. Bröckelige Steine werden gekrönt von lichtspiegelnden Dekoelementen, die strahlende Reflexe werfen. Eine eben gesägte Baumstumpffläche ist vielleicht genau die richtige Basis für ein verspieltes, höhenbetontes Objekt, Mauervorsprünge bieten ideale Stellplätze für Kurioses vom Flohmarkt oder seltene Steine aus letzten Urlaub.
Text: Claudia Kelch