Nutz- oder Ziergarten – Welcher Typ bin ich?

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Nutz- oder Ziergarten – Welcher Typ bin ich?

Wer einen Garten besitzt, wird auf kurz oder lang vor die Frage gestellt, wie dieser gestaltet werden soll. Dabei spielen der persönliche Geschmack, die geologischen Voraussetzungen und vor allem der mögliche Zeitrahmen eine wichtige Rolle. Kleine Entscheidungshilfen, welcher Garten für wen geeignet ist, sollen im Folgenden erläutert werden.

Vom Nutzgarten zur Meditation

Die Kultur des Gartens ist so alt wie die Kultur des Menschen. So konnte man bereits Mitte des 15. Jahrhunderts auf mehrere Jahrtausende Gartenbau zurückblicken. Allerdings waren bis zu dieser Zeit Gärten ausschliesslich zum Nutzen ihrer Eigner angelegt. Sprich: Der Gärtner pflanzte und erntete zum eigenen Lebensunterhalt. Der Umbruch vom Nutz- zum Ziergarten kam schleichend, aber stetig: Die Lust, den Garten auch zur inneren Einkehr zu nutzen, entstand in den Klöstern des ausgehenden Mittelalters.

Der barocke Typ

Die Gärten des Barock und der Renaissance waren geprägt durch ihre strenge Geometrie und der schier unüberschaubaren Fülle an Pflanzenarten und Zierelementen. Diese Art des Ziergartens ist immer noch in Mode. Klare Formen sowie eine durchweg blühende Vegetation sind jedoch nicht nur schön anzusehen, sondern fordern dem barocken Typen ein hohes Zeitmass ab. Dieser Gartennutzer hat in der Regel mehr Zeit als andere und kann diese beispielsweise in das Formen von Buxus und Co. investieren. Dafür wird er mit dem Anblick scheinbar gewachsener Perfektion belohnt und von seinem Umfeld beneidet werden.

Der englische Typ

Zwar ist der «Englische Garten» auch ein bis ins kleinste Detail geplanter Ziergarten, allerdings zeichnet er sich durch eine vermeintliche Natürlichkeit aus. Im Gegensatz zum repräsentativen Garten nach barockem Vorbild kommt er mit wesentlich weniger Pflegeaufwand aus. Die Formen und Anordnungen von Pflanzen und Gehölzen passen sich gekonnt der Landschaft an und haben den Vorteil, dass eine durch ungewolltes Kraut hervorgerufene Ursprünglichkeit im strengen Rahmen durchaus gewollt ist. Diese Form des Ziergartens ist übrigens die weitverbreitetste. Der «normale» Garten mit Rasenfläche, Randbeeten und Gehölzen hat den englischen Garten zum Vorbild.

Der moderne Typ

Wie beim Barock-Garten dominieren im Garten des modernen Typs klare, aber immer gerade Formen. Zusätzlich kommen auch Stilelemente wie Kiesflächen, kubistische Springbrunnen oder auch Kunstwerke (Stein, Holz etc.) zum Einsatz und bilden optische Highlights. Die Bepflanzung dieses Gartens ist auf ein Minimum beschränkt und setzt so bestimmte Pflanzen und Stilelemente in den Mittelpunkt. Da Unkraut und natürlicher Wuchs nicht recht in das klare Konzept des modernen Gartens passen wollen, ist die Bewirtschaftung relativ zeitaufwändig. Allerdings nutzen Besitzer dieses Gartentyps die Gartenarbeit nicht selten zur Meditation und zum Stressabbau.

Der Selbstversorger: Nutzgartentyp

Der Selbstversorger nutzt seinen Garten ausschliesslich zum Anbau von Obst, Gemüse und Zierpflanzen. Die spärlichen Elemente aus anderen Gartenarten wie die obligate Rasenfläche, dienen nur der Arbeitserleichterung: Wo Rasen wächst, muss nicht gejätet werden. Dieses Paradebeispiel des Nutzgartens ist sehr zeitaufwändig, bringt aber einen entscheidenden Vorteil: In Zeiten von Gentechnik und Pestiziden kann der Selbstversorger darauf vertrauen, dass er absolut weiss, was er isst.

Die Mischung macht’s

Viele Gartenbesitzer wollen sich aber bewusst nicht auf eine bestimmte Form des Gartenbaus beschränken. So finden sinnvolle und schöne Kombinationen der gesamten Gartenkultur Einzug in die Flächen vor und hinter dem Haus. Allein der individuelle Zeitrahmen und der persönliche Geschmack sind hier ausschlaggebende Kriterien.

Fazit

Ob Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten oder die ausschliessliche Nutzung als Ziergarten: Ideen und Vorbilder gibt es viele. In nahezu jeder Stadt gibt es mittlerweile Schaugärten und Landschaftsbaubetriebe, die Vorlagen für das eigene Paradies bieten. Auch die Öffnung von liebevoll angelegten Privatgärten kommt immer mehr in Mode. Wer diese Angebote nutzt, hat vor allem einen Vorteil: Er kann sich neben kreativen Eindrücken auch mit den Ratschlägen der Profis versorgen.
 
Text: Daniel D. Eppe