Tierische Gärtner: Schafe
Manchmal traut man seinen Augen kaum: Man fährt durch die Stadt und sieht in den städtischen Gartenanlagen auf einmal das, was man eigentlich nur aus der Lüneburger Heide kennt: Schafe. Heutzutage wird man sich an diesen Anblick gewöhnen müssen, denn Schafe als Unterstützung in der Landschafts- und Gartenpflege werden immer beliebter.
Seit Menschengedenken
Das Schaf gehört zusammen mit der Ziege zu den ersten Tieren, die der Mensch vor rund 10.000 Jahren domestiziert hat. Das Wildschaf, der Ursprung unseres heutigen Hausschafes, stammt aus den Steppen und Gebirgen Zentralasiens. Als zuverlässiger Lieferant von Wolle, Milch und Fleisch wurde das Schaf einst in ganz Europa gehalten - vorwiegend in den Landschaften, in denen die Rinderhaltung nur bedingt oder gar nicht möglich war. Deshalb findet man die im Gegensatz zur Kuh sehr leichten Herdentiere vor allem im norddeutschen Raum. Bekanntestes Beispiel sind die ostfriesischen Deiche, die durch Schafherden baum- und strauchfrei gehalten werden.
Ökologisch sinnvoll
Neben den wirtschaftlichen Aspekten der Schafhaltung, setzt man heute in erster Line auf den ökologischen Nutzen der Paarhufer. Schafe halten Wiesen bis zur Grasnarbe kurz und machen dabei auch vor vermeintlichem Unkraut oder ungewollten Baum- und Strauchsetzlingen nicht halt. Währenddessen lockern sie mit ihren relativ kleinen Hufen den Boden auf und sorgen auch gleichzeitig mit ihrem Dung für eine ausreichende Düngung. Übrigens: Neue Studien ergaben, dass Schafe die einzigen natürlichen Feinde der Herkulesstaude (auch als Riesenbärenklau bekannt) unter den Nutztieren sind. So «mieten» immer öfter auch Städte und Gemeinden ganze Schafherden für Flächen, die mit der hochgiftigen Pflanze befallen sind.
Schafe mieten – wo und wie?
Schafe kann man heute fast überall «mieten». Anlaufstellen für nähere Informationen sind vor allem Landwirtschaftskammern, Bauernverbände und Raiffeisengenossenschaften. Bevor man sich aber für die tierischen Rasenmäher entscheidet, sollte man genau abwägen, ob neben der ausreichenden Weidegrösse auch weitere Vorrausetzungen gegeben sind. In der Regel werden die Schafherden während ihres mehrtägigen Einsatzes vom «Mieter» versorgt. Das heisst, man trägt Sorge für die Umzäunung der Weidefläche und für die Versorgung mit frischem Wasser. Zusätzlich muss man bedenken, dass eine lammfromme Herde bei starkem Wetterwechsel oder anderen Unpässlichkeiten schnell zur Lärmbelästigung werden kann. Eine vorherige Absprache mit Nachbarn wird deshalb grundsätzlich empfohlen.
Fazit
Wer die richtigen Voraussetzungen erfüllt, kann auch im privaten Bereich mit der Anmietung einer Schafherde grössere Gras- und Wiesenflächen ökologisch sinnvoll bewirtschaften. Vielerorts werden diese Vorhaben zusätzlich von Naturschutz-organisationen unterstützt, weil Schafe den Einsatz von Unkrautvernichtern drastisch reduzieren oder sogar überflüssig machen.
Text: Daniel D. Eppe