
Vor allem in den grossen städtischen Agglomerationen sind die Wohnungsmieten in den letzten Jahren stärker gestiegen als die Löhne. Es ist verflixt schwer, ein günstiges Angebot zu finden. Doch mit etwas Insiderwissen verbessert man seine Erfolgschancen.
Von Jürg Zulliger
So ist es generell mit günstigen Mietwohnungen: Oft gibt es über Jahre oder gar Jahrzehnte keinen Wechsel. Wenn doch einmal eine solche Wohnung frei wird, verbreitet sich die Neuigkeit in der Nachbarschaft wie ein Lauffeuer: Die Nachbarn erzählen es allen ihren Bekannten, diese ihren Freunden und so fort. Im Nu ist die Traumwohnung zum sympathischen Preis wieder weg. Der Vermieter hat es gar nicht nötig, gross Werbung zu machen und die Wohnung zur Neuvermietung auszuschreiben.
Wer eine preiswerte Wohnung sucht, sollte sich vorgängig überlegen, welche Eigenschaften das gewünschte Objekt wirklich haben sollte:
Vielleicht gibt diese Auslegeordnung bereits Aufschluss darüber, wo man Abstriche machen könnte und wo nicht. Die grösste Hebelwirkung entfaltet meist der Standortentscheid: Wenn es nicht unbedingt eine 1a-Lage in der City sein muss, findet man bereits 10 bis 15 Kilometer von einer Stadt entfernt recht preiswerte Mietobjekte. Man muss nicht gleich ab in die Berge, aber etwas weiter weg von den Städten ist das Leben noch preiswerter.
Bei dieser Auslegeordnung zu Beginn kommt es auch auf das richtige Budget an. Die Monatsmiete sollte nicht mehr als ein Drittel des Bruttoeinkommens ausmachen. Bei unterdurchschnittlich tiefen Einkommen sind oft sogar schon 25 Prozent an der Grenze dessen, was noch ertragbar ist. Wer mit Taschenrechner und Bleistift sein Budget durchrechnet, muss daran denken, dass Wohnungsmieten - etwa bei Renovationen - auch steigen können. Und die Nebenkosten erscheinen manchmal im Voraus recht günstig, während dann nach der Heizkostenabrechnung aber noch hohe Nachzahlungen fällig werden. Also gilt: nicht allzu knapp rechnen!
Wenn man sich Zeit nimmt, ist man grundsätzlich im Vorteil. Wer unter Druck unbedingt ein günstiges Dach über dem Kopf finden muss, hat meist wenig Glück. Ungemütlich kann es werden, wenn man Hals über Kopf einen Mietvertrag unterschreibt und dann wieder aussteigen möchte. Wer einmal unterschrieben hat, muss die vertraglichen Bedingungen erfüllen und bis zum nächsten Kündigungstermin warten oder solvente Ersatzmieter stellen. Wer hingegen reichlich Zeit hat und alle Suchmöglichkeiten ausschöpft, wird erstaunlich oft dafür belohnt. Um nicht vom Regen in die Traufe zu kommen, sollte man auch kommerziellen Wohnungsvermittlern nicht blind vertrauen. Sie verlangen oft gesalzene Provisionen, oder nehmen ihren Klienten viel Geld ab, selbst wenn sie Wohnungssuchenden gar nicht weiterhelfen können
Wer allerdings einige Tipps beherzigt, wird seine Chancen verbessern, an eine der seltenen Möglichkeiten heranzukommen. Wirklich günstige Wohnungen finden sich zum Beispiel recht häufig in älteren Häusern, die von Privatpersonen vermietet werden. Mit Mund-zu-Mund-Propaganda, mit etwas Geduld und einem Quäntchen Glück wird man fündig. Man kann auch Flugblätter im Quartier verteilen oder via Grundbuchamt die Namen der Eigentümer herauszufinden versuchen.
Erste Adresse für wirklich günstige Angebote sind ausserdem Wohnbaugenossenschaften, Stiftungen sowie Wohnungen von Städten und Kommunen. Wer sich über dieses Segment von teils subventionierten Wohnungen gründlich schlau macht und je nachdem auch die geforderten Einkommenslimiten erfüllt, wird sicher früher oder später zum Zug kommen.
Günstig wohnen ist auch in der Schweiz möglich.