Hochzeitsbräuche

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Hochzeitsbräuche

Indien

Auch in Indien gibt es besonders auf dem Land noch viele arrangierte Hochzeiten. Oft sieht sich das Paar bei der Trauung zum ersten Mal. Die Trauung findet in der Regel im Haus der Brauteltern statt, wo die Braut dem Bräutigam - bei dessen Familie sie von nun an leben wird - übergeben wird. Die Dauer der Feier richtet sich nach den Mitteln der Brauteltern.

Die Braut lässt sich von den sie umschwärmenden Frauen mit Hennapaste Ornamente an Hände, Knöchel und andere Körperstellen malen. Die Ornamente sollen der jungen Frau Glück bringen und die Prozedur dauert bis zu drei Tagen. Sie trägt einen Sari (traditionelles Wickelgewand) in leuchtenden Farben und viel Schmuck.

Während der Trauung ist das Paar zunächst durch einen Vorhang getrennt, der dann langsam und unter vielen Gebeten aufgezogen wird. Das Paar bringt ein Opfer in Form von Öl und Reis und geht gemeinsam um ein Feuer. Der Bräutigam verspricht dem Brautvater, gut auf dessen Tochter zu achten und sie zu ehren.

China

In China trägt man am Hochzeitstag die Farbe rot, da diese Glück bringen soll. Auf dem Land gibt es noch arrangierte Hochzeiten, in den Städten ist dies heute nicht mehr üblich. Die Familien feiern ausschweifende Feste, für die sie sich oft hoch verschulden. Aber da die Hochzeit der wichtigste Tag im Leben ist, wird dies in Kauf genommen.

Aufgrund der gesellschaftlichen "Organisation" in China müssen Paare, die sich trauen lassen möchten, zunächst eine Erlaubnis hierfür bei ihrer "Arbeitseinheit" einholen! Damit können sie standesamtlich heiraten, was eine ziemlich unromantische und förmliche Registrierung der Vermählung bedeutet. Mittels eines Horoskops wird dann der "inoffizielle" - und für das Brautpaar wesentlich bedeutendere! - Hochzeitstag bestimmt. An diesem Tag wird laut, ausgiebig und mit vielen Gästen gefeiert. Typische Dekorationen sind Phönix- und Drachenbilder als Symbol für das Paar.

Japan

Auch wenn es in Japan immer mehr kitschige "wedding chapels" vor allem in den grossen Hotels gibt - die eigentliche Zeremonie ist voll strenger Traditionen. Besonders für die Braut heisst das schwere und unbequeme Kleidung und häufiges Umziehen. Sie ist traditionell ganz in weiss gekleidet, der Bräutigam trägt einen schwarzen Kimono und traditionelle gestreifte Hosen ("hakama").

Da die meisten Japaner dem Shintoismus angehören, findet die traditionelle Trauung auch in einem Shinto-Schrein statt. Dabei wird das Paar von einem Shinto-Priester gesegnet.

Viele Paare möchten aber gerade in städtischen Gebieten auch eine Hochzeit nach westlichem Vorbild bzw. wie in einem Hollywood-Film. Dafür gibt es dann die bereits erwähnten "wedding chapels". Die Braut zieht ein "westliches" Brautkleid an, der Bräutigam einen dunklen Anzug und die zweite Zeremonie findet statt. Dabei werden auch Ringe getauscht, was in der Shinto-Zeremonie nicht üblich ist. Bei der anschliessenden Feier zieht sich die Braut nochmals um und trägt dann ein Abendkleid.

Türkei

Ist ein junger Mann im heiratsfähigen Alter, beginnen seine Mutter oder seine weiblichen Verwandten nach einer geeigneten Braut für ihn Ausschau zu halten. Diesbezüglich wird die Familie eines in Frage kommenden Mädchens von den sogenannten Brautschauerinnen besucht, um sich bei dieser Gelegenheit einen Eindruck von der Tochter zu verschaffen. Über das Mädchen werden Erkundigungen hinsichtlich ihrer Ehre, ihrer Gesundheit, ihres Fleißes, ihrer Geschicklichkeit und ihrer Folgsamkeit angestellt. Ebenso erkundigt sich die andere Seite über den Ruf und die finanzielle Situation der Familie des werbenden Mannes. Entsprechend der Schönheit, ihren Fähigkeiten und ihrer Ausbildung bezahlt der Bräutigam eine ausgehandelte Entschädigung an die Familie der Braut, den sogenannten Brautpreis.

Die Hochzeitsfeier, zu der alle Freunde und Bekannten eingeladen werden, dauert mindestens drei Tage. Dabei feiern die Männer bei der Familie des Bräutigams und die Frauen bei der Brautfamilie.

Die Frauen tanzen und singen vor allem traurige Lieder, mit denen sie die Braut zum Weinen über den bevorstehenden Abschied von ihrer Familie bringen.

Die eigentliche Trauung findet erst am letzten Tag der Feierlichkeiten statt. Die Braut wird, prächtig gekleidet und mit einem roten Band um die Taille, mit einem Wagen vom Vater des Bräutigams abgeholt und in ihr neues Heim gebracht. Der hoça vollzieht dann in der Moschee oder im Haus des Bräutigams die traditionelle islamische Trauung. Noch am Abend oder am nächsten Morgen gehen die Brautleute zum Standesamt und lassen ihre Ehe gesetzlich besiegeln.

In der traditionellen türkischen Gesellschaft ist die Heirat nicht nur eine Vereinbarung zwischen den beiden Gatten, sondern auch eine Verbindung zwischen den zwei Familien. Mehr als das Brautpaar steht die ökonomische Gemeinschaft der Familien im Mittelpunkt.

England

Aus England kommt die Tradition, bei der Hochzeit "etwas Altes, etwas Neues, etwas Geliehenes und etwas Blaues" zu tragen. Ausserdem spielten früher Lebensmittel eine grosse Rolle. So wurde z.B. die Braut nach der Trauung mit Weizen oder Gerste beworfen, um die Fruchtbarkeit der Braut zu fördern, und ein typisches Hochzeitsgeschenk waren auch Lebensmittel.

Auch das Wort "honeymoon" verdanken wir den Engländern und ihrem Aberglaube bezüglich einem Nahrungsmittel: nach der Hochzeit trank die frischgebackene Ehefrau nämlich einen Monat lang Met (Honigwein) - das sollte die Fruchtbarkeit und die Chancen auf einen (männlichen) Stammhalter steigern.

Kenia

Begleitet von den Worten "Möge Gott Dir viele Kinder schenken" spuckt der Vater der Massai-Braut seinen Segen für das Paar mit Milch auf deren Kopf und Brust. Dann macht sich das junge Mädchen auf den Weg zu ihrem Bräutigam, einem von den Eltern ausgewählten, wahrscheinlich wesentlich älteren Mann, den sie nicht kennt. Umschauen darf sie sich nicht sonst wird sie zu Stein, glauben die Massai. Damit die Braut heile bei ihrem zukünftigen Gatten ankommt, wird sie von den Angehörigen ihres Bräutigams notfalls auf Händen getragen: Steine und Blätter werden aus dem Weg geräumt und die Braut über Flüsse transportiert. Schliesslich muss sie selbst noch einiges ertragen: Die weiblichen Verwandten des Bräutigams beleidigen die Braut, und schmieren ihr sogar Kuhdung auf den Kopf. Wie sie mit dieser Misshandlung umgeht, soll zeigen, wie sie Herausforderungen in der Ehe meistert.

Suaheli

Ganz anders wird das Heiratsritual für die Braut bei den Suaheli vollzogen. Vor der Zeremonie gibt's für die Braut ein Verwöhnprogramm pur. Sie wird mit Kokosnussöl massiert und mit Sandelholz parfümiert. Ihre Haut wird an Armen und Knöcheln mit Henna-Mustern bemalt. Danach weist sie eine somo, eine ältere Frau des Stammes, in die Gefälligkeiten einer guten Ehefrau gegenüber ihrem Mann ein - im Klartext: sie klärt sie auf. Am Tag der Hochzeit lüftet der Mann in der Brautkammer im Rahmen der Eheschließung den Schleier seiner Braut - und sieht deren Gesicht vielleicht zum ersten Mal. Die besorgte somo versteckt sich übrigens manchmal unter dem Bett für den Fall, dass es beim Eheschluss Probleme geben sollte. Die eigentliche Hochzeit wird jedoch bei der Zeremonie in einer Moschee besiegelt, an der nur Männer teilnehmen dürfen.