
Da die Kinder in den häufigsten Fällen beim mütterlichen Elternteil wohnen bleiben, kommt die Familienkonstellation des neuen StiefVATERs in der Familie häufiger vor als die der neuen Stiefmutter im Haus. Eine Herausforderung ist das Stiefvater bzw. Stiefmutter sein aber allemal. Viele Singles schrecken daher nicht ohne Grund vor einer Beziehung mit einem Mann oder einer Frau mit Kindern zurück. Schliesslich verspricht eine solche Familienkonstellation einige Komplikationen. Denn selbst wenn alle Beteiligten wie mündige Erwachsene mit der neuen Situation umgehen, ist es ja doch auch eine grosse Anforderung an das Organisationstalent und Fingerspitzengefühl aller.
In den meisten Fällen leben die Kinder nach einer Scheidung bei der Mutter und der Kontakt des Vaters mit den Kindern beschränkt sich auf Besuche und gemeinsame Wochenenden. Die neue Frau an der Seite des Mannes hat als Stiefmutter daher nicht einen derartig engen Kontakt zur ehemaligen Familie wie z.B. ein neuer Mann, der in die "alte" Familie einzieht. Seine Rolle als Stiefvater kann eine recht intensive werden. Schliesslich übernimmt er – gemeinsam mit der Kindesmutter – die Rolle des Familienvorstandes. Frauen hingegen, die zu einem Mann ziehen, bei dem die Kinder unter einem Dach leben, haben es wohl am schwersten. Sie übernehmen mit dem Haushalt meist auch automatisch die Kindererziehung – und das ist als Stiefmutter gar nicht so einfach.
Wie einfach oder wie kompliziert die neue Rolle als Stiefvater oder Stiefmutter wird, hängt von gar nicht so wenigen Faktoren ab. Zum einen kommt es auf das Alter der Kinder an. Je älter diese sind, umso einfacher ist in den meisten Fällen das Zusammenleben unter einem Dach, weil sie einfach auch nicht mehr die intensive Betreuung eines Kleinkindes benötigen. Schwierig wird es dann allerdings höchstwahrscheinlich später im teils rebellischen Teenageralter. Auch hängt das Gelingen dieser zusammengewürftelten Familienkonstellation von der Grundeinstellung der Kinder zur vorangegangenen Scheidung und zur neuen Mutter / zum neuen Vater ab – und von der Beziehung aller zur Ex-Frau bzw. zum Ex-Mann. Man sieht, jede Feinheit schafft andere Ausgangssituationen – und so ist es bestimmt kein einfaches Stiefmutter bzw. Stiefvater zu sein, jedoch mit Organisationstalent, Feingefühl und Entschlusskraft ein durchaus schaffbares Unterfangen.
Eine zukünftige Stiefmutter oder ein baldiger Stiefvater bangt nicht zu unrecht: Schliesslich weiss man nie, wie man von den Kindern als neues Familienmitglied aufgenommen wird. Zuviel Autorität von Beginn an wird von ihnen wahrscheinlich genauso schlecht aufgenommen wie ein zu loses und schwaches Auftreten. Jedes Kind besitzt einen anderen Charakter und so ist es wohl am besten, abzuchecken und vorzufühlen, wie es "tickt" und individuell darauf zu reagieren. Am Anfang sollte man wohl besser nicht gleich den neuen Vater oder die neue Mutter "heraushängen" lassen, sondern einfach versuchen, sich mit den Kindern anzufreunden und ihnen auf selber Augenhöhe sozusagen begegnen. Eine Portion Humor einzusetzen kann hier sicherlich auch nicht schaden.
Auch wenn es manchmal schwer fällt, sollte der Kontakt zur getrennt lebenden leiblichen Mutter bzw. zum leiblichen Vater von positiver Stimmung geprägt sein. Nur so fühlen sich alle miteinander wohl. Das Leben ist schon kompliziert genug - künstliche Komplikationen aufgrund von Eitelkeiten Einzelner kann hier wohl keiner gebrauchen.
Wer Stiefmutter oder Stiefvater wird steht vor einer grossen Herausforderung. Doch wer sich verliebt hat, sollte sich davon nicht abschrecken lassen. Eine Beziehung wächst an ihren Herausforderungen und schliesslich hat man noch den unterstützenden Partner an seiner Seite.
Text: Manou Rade