
Umfangreichen Befragungen zufolge erledigt den Haushalt zum grössten Teil immer noch der weibliche Part einer Beziehung. Trotz Vollzeitbeschäftigung kocht die Frau das Abendessen, räumt auf, wäscht und bügel die Wäsche, putzt, wischt und saugt. Das Erstaunliche aber daran ist, dass viele Frauen diese Aufteilung aber gar nicht als ungerecht empfinden. Sozialpsychologen zufolge ist einer der Gründe die gesellschaftliche Prägung von Kindesbeinen an. Frauen erwarten durch die von Kind an gelernte Rollenverteilung, dass sie im Erwachsenenleben den grösseren Part an der Hausarbeit haben werden und sind daher weniger enttäuscht, dass dem dann tatsächlich so ist. Sie sehen diese Tatsache – ob gern oder nicht – als gegeben an.
Ein weiterer Grund ist, dass Männer sich einfach auch bei vielen Tätigkeiten ungeschickter anstellen als ihre Angetraute. Da er «es nicht so gut kann» muss er es auch nicht machen. Die Ungerechtigkeit dabei: die Frau – ob zum Bügeln talentiert oder nicht – darf sich trotzdem ans Bügelbrett stellen und es Woche für Woche praktizieren. Ein weiterer Grund für die trotz moderner Zeit nicht veränderte ungleiche Arbeitsaufteilung im Haushalt – so die Psychologen – ist, dass viele Frauen ihre Mehrarbeit im Haushalt auch als Zeichen für Fürsorge und Liebe sehen.
Die Überbelastung durch Vollzeitjob, Haushalt und womöglich auch noch Kinder schlägt sich nicht nur auf die Leistung im Job und somit die Karriere nieder, sondern auch auf die Beziehung. Durch die Ungleichverteilung der Aufgaben entsteht eine Unzufriedenheit mit dem Partner und somit in der Beziehung. Vom Partner unachtsam liegen gelassene Socken, seine unmotiviert herumstehenden gebrauchten Kaffeetassen und Barthaare im Waschbecken als Überbleibsel von der letzten Rasur erzeugen Ärger in der ständig hinterher putzenden, langsam überforderten Frau. Lässt der Mann noch dazu nicht mit sich reden, wird ihr dann irgendwann einmal der Kragen platzen. Dann darf ER plötzlich wieder in einer eigenen Wohnung sehen, wie er mit Bügeleisen, Besen, Staubsauger und Kochlöffel (oder besser Mikrowelle?) zurecht kommt. Es sei denn, er zieht heim zu seiner Mutter… Aber das muss natürlich erst gar nicht passieren!
Überbelastung im Haushalt kann Untersuchungen zufolge psychische Erschöpfung und sogar Depressivität auslösen. Um die Partnerschaft zu retten, ist jedoch nicht allein eine gerechte und intelligente Arbeitsaufteilung im Haushalt notwendig: Vielen Frauen reicht es angeblich schon, wenn der Mann ihre Arbeit im Haushalt wertschätzt und es sie auch spüren lässt. Dass ein Mann nicht gerade fürs Bügeleisen geschaffen ist – zumindest wohl 99% davon – ist als gegeben anzunehmen. Das heisst aber nicht, dass er sich nicht regelmässig – und ohne daran erinnert werden zu müssen – um den Müll kümmert, kleine Reparaturen im Haus ohne Murren erledigt und beim Staubsaugen und Geschirrspüler ein- und ausräumen zur Hand geht. Ein Wochenplan in etwa, in dem festgehalten wird, wer von beiden wann etwas macht, ist laut Psychologen ebenso hilfreich. Fixe Aufgabenbereiche und Zuständigkeiten würden das gemeinsame Leben im Haushalt um einiges erleichtern und können höchstwahrscheinlich die Liebe retten! Das Schlüsselwort heisst: Kommunikation!
Die Aufteilung der Hausarbeit ist ein ernstzunehmender Konfliktpunkt, der nicht in seltenen Fällen zum Beziehungs-Aus führt! Dass die gerechte Arbeitsaufteilung in häuslichen Gefilden in der heutigen modernen Zeit immer noch derartig nachhinkt, ist schwer zu verstehen und irgendwie dennoch nachvollziehbar. Dennoch: Mit ein wenig Geschick lässt sich auch das Haushaltsproblem in Beziehungen lösen. Man(n) muss nur wollen! Denn wie der Regisseur Jaques Tati (1908-1982) schon sagte: «Wer sich zu wichtig für kleine Arbeiten hält, ist oft zu klein für wichtige Arbeiten.»
Text: Manou Rade