Beziehungsangst!?

Bewerte diesen Artikel

5 Bewertungen

 

Beziehungsangst!?

Ob aus schlechten Erfahrungen heraus oder aus genereller Bindungsangst bleiben heutzutage viele Menschen lieber allein. Während bislang vorwiegend die Vertreter des männlichen Geschlechts als bindungsunfähig galten, findet man gegenwärtig auch immer mehr Frauen unter den Beziehungsphobikern.

Symptome der Beziehungsangst

Menschen mit Beziehungsangst flüchten aus ihren Partnerschaften, sobald es «ernst» wird. So richtig unwohl fühlen sie sich nämlich meist, wenn eine Beziehung richtig gut zu laufen beginnt. Umso mehr stossen sie dem verliebten Partner, der sich noch auf «Wolke sieben» befindet und sich womöglich auf eine längere Partnerschaft eingerichtet hat, mit ihrem plötzlich ausgesprochenen Schlussstrich vor den Kopf. 

Wer Angst vor Beziehungen hat sucht sich zudem meist schon bewusst - oder auch unbewusst - Partner/innen aus, mit denen eine Beziehung augenscheinlich zum Scheitern verurteilt ist. Verheirateten oder weit entfernt wohnenden Frauen/Männern wird dabei der Vorzug gegeben. Distanz wird so geschaffen.

Durch den häufigen Partnerwechsel kann keine tiefe Bindung entstehen und das ist jedem der Beziehungsangst hat nur recht. Sie können ihren Partnern keine Sicherheit geben, arbeiten auf die Trennung hin und schieben gerne die Schuld für das Scheitern anderen in die Schuhe. Eine Entwicklung der Beziehung ist nicht möglich, weil das gemeinsame schmieden von Zielen systematisch verhindert wird. Eine künstliche Distanz wird geschaffen und zwischen sich und dem Partner keine emotionale Nähe zugelassen.

Menschen die trotz Beziehungsangst - durch welche Umstände auch immer - dennoch heiraten, zeichnen sich durch beziehungsfeindliches Verhalten aus. Sie verhindern in Ehe und Familie das Eingehen einer tiefen, innigen Bindung mit dem Ehepartner und den Kindern. Sehr oft macht sich das z.B. durch mangelnde Kommunikation und Desinteresse am Familienleben bemerkbar.

Mögliche Gründe für die Angst vor einer Beziehung

Bei vielen mag die Beziehungsangst von schlechten Erfahrungen in vorherigen Beziehungen herrühren. War der Ex-Partner extrem herrschsüchtig, massiv untreu oder gar alkoholabhängig, so benötigt der Betroffene bestimmt einige Zeit, um sich ohne Angst in eine neue Beziehung hinein zu wagen. Die Furcht vor neuerlicher Verletzung hindert ihn daran, denn tiefe Empfindungen machen angreifbar und verletzlich. Manchmal kann womöglich auch die Kindheit eine Rolle spielen. Hatten die Eltern eine schlechte Beziehung zueinander, wurde oft gestritten oder gar geschlagen, so will das Kind solche Situationen im Erwachsenenleben oft vermeiden, indem es später selbst keine ernsthaften Bindungen eingeht.

Bei notorischen Beziehungsphobikern ohne ersichtlichen, triftigen Grund spricht man teilweise bereits von Krankheit.

Behandlung der Beziehungsangst

Beziehungsphobiker sollten sich mit psychologisch fundierten Büchern zu dem Thema befassen. Zudem bringen Kurse und Selbsterfahrungsgruppen Gleichgesinnte zusammen und bieten mögliche Lösungsansätze an. Für härtere Fälle wird auch eine Psychotherapie empfohlen, um die Wurzeln dieser Beziehungsangst zu finden und zu bekämpfen. Und wer aus Überzeugung lieber alleine bleibt, der soll es bitteschön tun!

Gleichgewicht und Harmonie

Bindungen können mit dem richtigen Gleichgewicht an Intimität und Freiräumen für die Partner eine wunderschöne Angelegenheit sein. Eine übertriebene Angst vor einem beziehungstechnischen Reinfall kann die Chance auf ein harmonisches Zusammenleben verbauen und lässt einen am Ende einsam zurück. Und wie sagte schon Franklin Delano Roosevelt (1882-1945): «Das einzige, was wir zu fürchten haben, ist unsere eigene Furcht.»

Text: Manou Rade