
Während weibliche Vogelarten Studien zufolge ihre gefiederten Partner nach ihrem attraktiven Federkleid und ihrem betörenden Gesang auswählen, lassen weibliche Säugetiere einer britisch-amerikanischen Studie zufolge ihre Nase entscheiden, welcher Partner für die gemeinsame Fortpflanzung in Frage kommt. Der Geruch ist also bei der weiblichen Partnerwahl ausschlaggebend, meinen der britische Zoologe Tim Clutton-Brock und die amerikanische Anthropologin Katherine McAuliffe. Und dies lässt sich auch auf die menschliche Partnerwahl ummünzen.
Weibliche Säugetiere beschnuppern die Duftmarken der Männchen genau und wählen laut Studie diejenigen, die häufiger markieren. Die Düfte der Männchen beinhalten Informationen über deren Gene und eventuellem Parasitenbefall – somit auch Anfälligkeit auf Krankheiten. Besonders die genetische Verschiedenheit spielt hier eine grosse Rolle. Je verschiedener in bestimmten Bereichen das männliche Erbgut zum weiblichen Erbgut ist, umso gesünder wird der Nachwuchs sein. Dieses «Erriechen» des andersartigen Genträgers wurde bereits bei Mäusen, aber auch schon beim Menschen beobachtet.
Vorangegangene Studien zeigten, dass Gene die Gerüche beeinflussen und dass Frauen den Geruch von Männern mit sich von ihnen unterscheidendem Erbgut bevorzugen, um gesünderen Nachwuchs zu bekommen und Inzucht zu reduzieren. Der Verdacht, dass Frauen, die hormonale empfängnisverhütende Mittel (Anti-Baby-Pille) einnehmen, eine entgegengesetzte Vorliebe zeigen, die auf Kosten der Fruchtbarkeit gehen könnte, machte britische Forscher der «School of Biological Sciences» an der University of Liverpool neugierig. Sie untersuchten den Wahrheitsgehalt dieses Verdachtes und kamen zu dem Schluss, dass – wenn es sich auch nicht ganz eindeutig sagen lässt – die Möglichkeit bestünde, dass – «wenn Geruch eine Rolle in der menschlichen Partnerwahl spiele» – die Anti-Baby-Pille durchaus die natürliche Partnerwahl stören könnte. Das heisst, dass Frauen, die die Pille nahmen, sich – geruchstechnisch – zu Männern mit ihrem Erbgut ähnelnden Genen hingezogen fühlten.
Natürlich fragen Laien sich nach Kenntnis all dieser Fakten, was passiert, wenn eine Frau, die zum Zeitpunkt des Kennenlernens eines Mannes die Anti-Baby-Pille einnimmt und diese nach der Hochzeit absetzt. Eheberater zufolge kommt es sehr oft vor, dass Frauen sich beklagen, dass sie den Geruch ihres Mannes nicht mehr ertragen können – und daher auch den Sex verweigern. Dass die Anti-Baby-Pille eine Scheidungspille sein soll (die ironischerweise allerdings erst beim Absetzen wirkt), will man aber so nicht stehen lassen. Denn die Reaktion einer Frau auf den natürlichen Geruch des Mannes werde ja auch von ihren Gefühlen für ihn positiv beeinflusst. Verliebe man sich z.B. online, spiele der Geruch erstmal gar keine Rolle.
Text: Manou Rade
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