
Schon im Mittelalter wurden Hochzeitskerzen in die Trauungszeremonie eingebunden. Die Gebete um Glück und Segen des Ehepaares sollten so dem Himmel nähergebracht werden. Böse Geister sollten vom Kerzenlicht vertrieben werden, und Liebe der Frischvermählten sollte ebenso hell strahlen und Wärme bringen wie die Flamme. In Griechenland (und nicht nur dort) glaubt man noch immer daran, dass die bisherigen Sünden in der Kerzenflamme vergehen. Heutzutage tragen oft Blumenkinder die Hochzeitskerze zum Altar, die dann während der Trauung entzündet wird. Auch bei standesamtlichen Eheschliessungen kommen Hochzeitskerzen immer häufiger zum Einsatz. Oft bringt sie ein Trauzeuge als Geschenk mit, überreicht und entzündet sie.
Besonders festlich ist es, die Kerze im Anschluss an die Trauung für alle gut sichtbar auf der Festtagstafel zu platzieren und sie dort bis zum Ende brennen zu lassen. Viele Paare bewahren sie über alle Ehejahre hinweg auf und entzünden sie an besonderen Tagen. An Hochzeitstagen selbstverständlich auch, was schon manchem vergesslichen Ehemann ein rettender Wink war. Bei besonderen Jubiläen wie der silbernen oder goldenen Hochzeit gibt es dann vielleicht eine neue - dem Anlass entsprechend verziert. Auch wer sein Eheversprechen erneuern will findet später in einer passenden Kerze ein einzigartiges Erinnerungsstück.
Eine traditionelle Hochzeitskerze ist relativ gross und stark im Umfang – schliesslich will einiges darauf angebracht sein – sie ist weiss oder zumindest hell und trägt typische Symbole zur Verzierung. So wie zwei Menschen sich vereinen, werden auch hier ganz überwiegend zwei einzelnen Kerzen mit getrennten Dochten per Wachsplatten miteinander zu einem Gesamtkunstwerk verbunden. Goldene Ringe, ein Kreuz, weisse Tauben, das Datum der Eheschliessung, die Namen der Brautleute, Glückwünsche, Psalmen oder kleine Gedichte finden darauf Platz. Aber auch Dekorationen wie Herzen, Blüten, Schmucksteine, ein gemeinsames Lebensmotto, der Tag und Ort des Kennenlernens oder andere persönliche Daten können darauf zu finden sein.
Im Fachhandel gibt es bereits komplett gestaltete Kerzen, die für den letzten Schliff noch im Geschäft personalisiert werden können. Daneben kann man Sets zum Selbermachen erwerben, in denen auch das erforderliche Werkzeug enthalten ist. Daneben kann man in Kerzenwerkstätten das passende Unikat in Auftrag geben oder sich selbst unter Anleitung daran versuchen. Üblicherweise gibt es aber eben nur eine einzige Hochzeitskerze zur Eheschliessung – schliesslich soll diese ja auch einzigartig bleiben. Wer sich also mit dem Gedanken trägt, eine solche zu verschenken, wird wohl zugunsten der Abstimmung auf den Überraschungseffekt verzichten müssen.
Text: Claudia Eichhorn