
Piercings waren einst der Schmuck «harter Kerle» und wurden vor allem von Matrosen gern getragen. Diese Zeiten sind natürlich schon lange vorbei. Ein Piercing ist heute längst nichts Anstössiges mehr und ist als Schmuck ebenso salonfähig wie ein Ring am Finger oder eine Halskette. Dennoch gibt es einige Zeitgenossen, die das Piercing eher als Verunstaltung sehen, besonders wenn es im Gesicht zu finden ist. Auf einer Hochzeit hat solch ein «fragwürdiger» Schmuck schon gar nichts zu suchen.
Die Frage, ob ein Piercing am Traualtar getragen werden soll, muss das Brautpaar allein für sich entscheiden. Angehörige oder Freunde haben hier allenfalls beratende Funktion. Denn viele tragen ein Piercing nicht nur als irgendein Schmuckstück, sie sehen darin eine Unterstreichung ihrer eigenen Persönlichkeit. Warum sollte man also gerade am wichtigsten Tag des Lebens leiden? Im Mittelpunkt jeder Hochzeit sollte doch das Glück und die Zufriedenheit des Brautpaares stehen, warum also darauf verzichten?
Manchmal hat das Naserümpfen von Verwandten und Freunden beim Thema Piercing doch Erfolg – die Braut oder der Bräutigam entfernen das Piercing zur Trauung. Nicht immer aber ist diese Massnahme unbedingt vom Erfolg gekrönt. Je nach Grösse des Piercings bleiben Spuren in Form der Einstichslöcher im Gesicht zurück. Es ist wohl doch sehr fraglich, ob dies unbedingt die bessere Wahl ist. Manch einer bereut vielleicht seine Entscheidung, da mit Piercing das Gesamtbild doch besser ausgesehen hätte.
Ein Piercing ist natürlich Körperschmuck und sollte sich dem gesamten Erscheinungsbild einer Person anpassen. Ist das aktuelle Piercing aufgrund seiner Grösse oder Gestaltung sehr auffällig, könnte die Anschaffung eines alternativen Piercings eine gute Kompromisslösung sein. Aufgrund des grossen Sortiments an Piercings, das der Handel bereithält, sollte es nicht schwer sein, ein Modell zu finden, das weniger auffällig ist und zudem optisch zur Hochzeitsgarderobe passt. Diese Lösung ist der perfekte Mittelweg, um auffällige Piercings abzulegen und dennoch nicht die Spuren in der Haut zeigen zu müssen.
Es geht auch genau anders herum. Hochzeiten werden immer individueller und ausgefallener. Tatsächlich erlebt die FKK-Hochzeit derzeit einen wahren Trend. Hier verzichtet man auf jegliche Kleidung, vorhandener Körperschmuck ist also besonders gewünscht. Neben Ringen und einer Kette sind es tatsächlich Piercings, die an dieser Stelle besonders gern gesehen werden. Viele Brautpaare lassen sich sogar extra zu diesem Anlass ein Piercing stechen oder ersetzen ihre bisherigen Piercings durch besonders auffällige Modelle.
Die Hochzeitsgesellschaft, die zu einer FKK-Hochzeit geht, dürfte aber allgemein sehr tolerant eingestellt sein, so dass sich hier kaum jemand findet, der am Piercing etwas auszusetzen hat.
Ob Piercing oder nicht, darüber werden sich noch lange die Geister scheiden. Da diese Mode noch recht jung ist, werden zumeist die Eltern oder näheren Verwandten Einspruch einlegen, da sie das perfekte Bild der Hochzeit durch ein Piercing gefährdet sehen. Allen Kritikern sei gesagt: Es geht um zwei Menschen, die den Bund fürs Leben eingehen wollen. Auf kleine und subjektiv empfundene Mängel sollte man keinen allzu grossen Wert legen!
Text: Daniel D. Eppe