Trachtenhochzeit – Neuer Trend aus alter Zeit
Traditionelle Hochzeiten sind wieder «in» – das zeigen nicht nur die Zahlen und Fakten der grossen Kirchen, deren kirchliche Trauungen langsam aber stetig ansteigen. Weiss für die Braut und Schwarz für den Bräutigam gaben lange den modischen Trend im deutschsprachigen Raum vor. Jedoch ist auch hier ein Wandel zu sehen. Der Trend geht hin zur individuellen Hochzeitsfeier. Gerade im süddeutschen und alpenländischen Raum erfreut sich die Trachtenhochzeit immer grösserer Beliebtheit.
Trachten – mehr als Lederhose und Dirndl
Wer das Wort «Tracht» hört, denkt in erster Linie meist an die bayrische Variante. Die «Krachlederne» und das Dirndl sind fester Bestandteil der Trachten im süddeutschen Raum. Auch ist der Gedanke an das berühmt-berüchtigte Oktoberfest nicht weit, wenn man von Trachten spricht. Mit Recht – immerhin wird diese Gaudi mit einem der grössten Trachten-Festzüge Europas eröffnet. Hier erscheinen neben den berufsgebundenen und Regionaltrachten auch immer öfter die prächtigen Hochzeitstrachten der Alpenländer.
Patriotismus contra Globalisierung
Ein Grund, welcher Trachtenmode und Trachtenhochzeiten auch für die junge Generation wieder interessanter macht, ist die Gegenentwicklung zur fortschreitenden Globalisierung. Heimatverbundenheit und die Sehnsucht nach Identität lassen immer mehr junge Menschen zumeist an Festtagen immer öfter Jeans und Sweatshirt im Schrank hängen. Stattdessen greifen sie zu traditionellen Stoffen wie Seide, Loden und Leder, die quasi die Basis der Trachtenmode bilden.
Trachtenhochzeit – was gehört dazu?
Angefangen bei den meist üppig gestalteten Hochzeitstrachten der Alpenregionen, die am Tag der Tage im Leben eines Paares getragen werden, sind die Bräuche und Traditionen einer Trachtenhochzeit oft regional begrenzt. Grundsätzlichkeiten gibt aber auch hier: Blaskapelle, salutierende Gebirgsschützen oder Schützenvereine sowie der traditionelle Hochzeitszug von der Kirche zum Hochzeitshaus oder –saal sind fast untrennbar mit einer Trachtenhochzeit verbunden.
Trachtenhochzeit – eine Kostenfrage?
Mit Hinblick auf die Tatsache, dass die Hochzeitstracht nur einmal getragen wird (oder sollte), ist sie im Vergleich zum normalen Brautkleid und Anzug des Bräutigams natürlich teurer. Das hängt letztlich nicht nur mit den vielen Details zusammen, die so eine Hochzeitstracht ausmachen. So gehören zu dem meist teuren Schuhwerk der Braut auch mehrere, übereinander getragene Röcke, eine hochwertige Bluse, sowie Stolen und Schals. Zusätzlich findet man mancherorts filigran hergestellte Brauthauben und Schleier, angefertigt aus Goldfäden, Perlen und manchmal auch Edelsteinen. Männer haben es hier einfacher. Sie tragen in der Regel eine knielange Hose aus Leder oder schwerer Baumwolle, dazu ein leinenes, meist kragenloses Hemd und darüber einen Herrenrock, der an einen Frack erinnert. Ein Hut - wie beispielsweise ein Dreispitz - komplettiert die Tracht des Bräutigams.
Fazit
Viele Brauteltern können Kindern keine echte Hilfe im Bezug auf eine Trachtenhochzeit geben, da sie selbst im Stil der Zeit, also meist modern geheiratet haben. Wichtige Adressen zur Vorbereitung einer Trachtenhochzeit sind deshalb Stadt- und Dorfarchive sowie Heimatmuseen und Trachtenhäuser. Hier findet man nicht nur Inspirationen für die Trachtenhochzeit, sondern zumeist auch fachkundiges Personal, welches das Brautpaar in Sachen Brauchtum und Tradition beraten kann. Richtig beraten wird so der schönste Tag des Lebens zu einer Gaudi, die sowohl Trachtenbrautpaar als auch Gäste so schnell nicht wieder vergessen werden.
Daniel D. Eppe