
Die Hochzeitstorte gab es bereits im alten Rom. Dort war es Brauch, dass die Hochzeitsgäste einen Kuchen mit Dekoration selbst mitbrachten. Diese wurden übereinandergestapelt und damit keiner der Gäste beleidigt war, wurde der Kuchen auch gemeinsam angeschnitten. Die richtig prachtvollen Exemplare der Hochzeitstorte stammen allerdings aus England. Der typische deftige «English Cake» ist mehrstöckig und wurde mit Weinbeeren und in Rum eingelegten Früchten zubereitet. Heute bevorzugt man allerdings eher leichte und lockere Torten, die anstelle des Dessertbuffets serviert wird.
Die Torte kann die unterschiedlichsten Formen besitzen und richtet sich völlig nach den Geschmäckern des Brautpaares. Die Hochzeitstorte kann ein- oder mehrstöckig, eckig, rund oder herzförmig sein, wobei sich die Grösse der Torte nach der Anzahl der Gäste richtet. Die traditionelle Torte ist weiss und mit roten Zuckerrosen dekoriert. Die weisse Glasur aus Zucker und Marzipan steht für Reinheit, die roten Rosen für die Liebe. Marzipan besteht aus Zucker und bitteren Mandeln und symbolisiert die guten und schlechten Zeiten, die auf das Paar zukommen. Das Innenleben ist bei der Wahl der Torte ebenso wichtig, wie die Wahl der Form oder der Dekoration. Schliesslich soll die Torte nicht bloss gut aussehen, sondern auch gut schmecken. Die klassische Hochzeitstorte ist mit Sahne gefüllt, die Wahl kann aber auch auf Schokolade, Früchte, Joghurt oder Champagner fallen.
So manches übereifriges Hochzeitspaar hat beschlossen, die Torte selbst zuzubereiten. Doch davon ist eher abzuraten. Gerade kurz vor der Hochzeit ist man mit derart vielen Dingen rund um die Feier beschäftigt, dass es höchstwahrscheinlich für das Paar eine grosse Belastung ist, sich auch noch darum zu kümmern, ob die Torte wohl gelingt oder nicht. Wird der Auftrag an einen Bekannten erteilt, sollte man sich von seinen Referenzen rechtzeitig überzeugen. Die meisten Paare übergeben den Auftrag zum Backen der Torte dann doch lieber einem Profi. Die meisten Zuckerbäcker sind gut darauf vorbereitet und haben meist eine Mappe mit vielen Ideen aufliegen. Viele Zuckerbäcker bieten ihren Kunden auch vorher Kostproben an. Diese sollten unbedingt genutzt werden.
Das gemeinsame Anschneiden der Torte zählt neben dem Eröffnungstanz des Brautpaares wohl zu den Höhepunkten einer Hochzeit. In der Schweiz ist es Brauch, die Torte am Abend nach dem Essen anzuschneiden, in anderen Ländern Europas wird die Torte jedoch schon am Nachmittag nach der Kirche angeschnitten oder aber erst um Mitternacht. Die Präsentation der Torte wird meistens mit einer kleinen Inszenierung eingeleitet. Dies kann entweder eine besondere Musik sein, oder die Torte wird mit Wunderkerzen bestickt. Beim Anschneiden sollte ein sauberes Messer verwendet werden, sonst ist die schöne Torte bald verunstaltet. Die ersten Stücke werden meist vom Brautpaar selbst angeschnitten, den Rest des Aufschneidens kann das Servicepersonal übernehmen. Ein kleiner Tipp: Es sollte beim Anschneiden darauf geachtet werden, wer beim Anschnitt der Torte das Messer führt bzw. die Hand oben hat. Der- oder diejenige wird auch in der Ehe die Oberhand haben!
Eine Torte dient nicht nur zur Dekoration an einer schönen Hochzeitstafel sondern ist für das Brautpaar und auch für die Gäste ein meist sehr willkommener, besonderer Genuss. Wird darauf geachtet, dass diese nicht nur von aussen schön anzusehen ist, sondern auch eine Gaumenfreude bildet, werden sich bestimmt alle daran erfreuen.
Text: Tina Voss