Rasende Mütterlesenswert!

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Rasende Mütter

Kürzlich wurde ich auf unserer Gästebuchseite beschimpft, weil ich meinen Off-Roader unsachgemäss auf zwei Parkplätzen (!) parkiert haben soll. Ich gestehe, zweiteres wäre unter Umständen möglich, nicht immer habe ich ausreichend Ruhe und Musse, um sauber einzuparken. Wobei mich der Anstand ja dann jeweils doch dazu treibt, korrekt auf nur einem Parkplatz zu landen.
 
Allerdings fahre ich definitiv keinen Off-Roader, selbst wenn das manchmal bestimmt hilfreich wäre. Stattdessen sause ich, wie tausende andere Mütter auch, mit einem praktischen Familienvan von Ort zu Ort. Und leide.

Weshalb sind Mütter plötzlich vernünftig?

Ja, ich leide. Denn auch ich würde viel lieber mit einem schicken Cabrio über die Landstrassen fliegen und den einen oder anderen Macho locker an der Ampel stehen lassen. Auch ich träume von krümelfreien Sitzen, sonnenungeschützten Autofenstern und kleberfreiem Heck (wer hat eigentlich diese Baby-on-board-Sticker erfunden?). Aber ebenso, wie ich es scheinbar in den Genen habe, Kinder zu beruhigen, Wunden ohne Ekel zu versorgen und mich in Teenagerseelen einzufühlen, muss ich nun als Mutter vernünftig sein. Bei der Geburt meiner Kinder hatte ich mich ja schon ein wenig gewundert, über was für Talente ich nun urplötzlich verfügen soll/muss. Nur wenig später musste ich dann lernen, dass ich nun also auch noch vernünftig sein soll. Und dass man das mit dem passenden Auto manifestiert, seufz. Weshalb das so ist, konnte mir aber bisher noch niemand so richtig erklären…

Nichtbeherrschen des Fahrzeugs

Ich habe mich aber in mein Schicksal ergeben und tuckere nun brav und rücksichtsvoll über die Strassen. Ich überhole selten auf Landstrassen, wie auch? Und auch auf der Autobahn fahre ich mehrheitlich rechts und nicht über 120 Stundenkilometer. Innerorts ist 50 die Maximalgeschwindigkeit, Ehrensache. Und das alles wegen der Kinder… Wobei genau diese auch zum Sicherheitsrisiko werden. Denn der rasche Kontrollblick in die Babyschale lenkt die Mutter ebenso ab wie der Versuch, den Nuggi während der Fahrt wieder in den Mund des kleinen Schreihalses zu platzieren. Oder der Versuch, dem Kind während der Fahrt den Schoppen mit Tee nachzufüllen. Das Zusammenfummeln der tollen Actionfigur, die dauernd auseinanderbricht und ein weinendes Kind nach sich zieht. Der Vortrag, den man den streitenden Kindern hält und bei dem Mutter ab und zu flehend gen Himmel blicken muss. Lauter kurze Momente, in denen frau unachtsam wird. Und wie schnell ist da etwas passiert?

Mother on board

Nur gut, dass der witzige Aufkleber an meinem Heck (bzw. am Heck meines Autos, haha…) die anderen Fahrer warnt: «Baby on board» bedeutet nämlich eigentlich nicht, dass man besonders stolz auf den Nachwuchs ist. Oder dass man rücksichtsvolleres Fahren der anderen erwartet. Vielmehr warnt es davor, dass hier eine Mutter fährt, die mit grosser Wahrscheinlichkeit ab und zu etwas abgelenkt ist. Und vielleicht auch eine Mutter, die versehentlich ihren Träumen nachgibt und sich in diesen in einem schnittigen Flitzer ohne Kindersitze, Hundebox und Krümel wähnt. Und dabei ganz frech den Motor aufheulen lässt, um dann links auszuscheren und… ach ja!
 
Untermotorisierte Grüsse von Ihrer
Anna Schreiber